Die Londoner Pubs erleben ein Comeback
Das Comeback der Pinte

Londons City verabschiedet sich von den coolen Edelrestaurants der 90er. In der Krise will man Bodenständigkeit beweisen – und geht wieder in den Pub. Doch wer dort englisches Essen erwartet, das seinem miesen Ruf gerecht wird – der irrt.

Michael Toogood weiß, was seine Geschäftspartner in der Krise sehen wollen: Bodenständigkeit. Und deshalb lädt er seine Kunden nicht mehr in die hippen Futterkrippen der Londoner City ein – sondern in den Pub. „Das kommt gut an in dieser Zeit“, sagt der Managing Director der Londoner Immobilienfirma Square Mile Property Management. „The Fox“, im Herzen der Stadt, „ist unsere örtliche Kantine“.

Londons Business-Gemeinde verabschiedet sich in diesem Jahr von Terence Conran und seinen Nachahmern. Der Star-Designer gab in den 90ern den Takt an mit seinen gigacool designten Edellokalen wie „Oxo“ oder „Mezzo“. Doch in Zeiten von Entlassungen, von Terrorangst und fallenden Kursen sehnen die Gäste sich nach wärmerem Ambiente. Das Konzept der neuen Pubs: „Wir wollten den ganzen Mist loswerden“, erklärt Michael Belben, Mitinhaber des „Eagle“ in Clerkenwell und des „Fox“: „Keine passenden Tischdecken, kein Trinkgeld, keine Reservierungen. Wir wollten allein in die Qualität des Essens investieren.“

Genau das liebt Alex Charlwood, Manager der Rechtsanwaltskanzlei Herbert Smith, besonders: „Ich mag diese blitzblanken und unpersönlichen Restaurants nicht“, sagt er im „Fox“ vor einem Teller Mozzarella mit roten Zwiebeln. Die meisten der gerade angesagten Lokale „quetschen die Gäste doch zusammen wie Sardinen“. Abgesehen von Verabredungen mit hochrangigen Geschäftspartnern, wählen Banker und Berater heute lieber entspannte Gastro- Pubs. Vielleicht auch, weil sie so wirken wie der Nachbarschaftsladen, „the local“, um die Ecke, in dem man zu Studien- oder Schulzeiten war – Nostalgie hat Konjunktur in schlechten Zeiten.

Wenn vertrauliche Gespräche unter Kollegen anstehen, hat die unkomplizierte Atmosphäre einen weiteren Vorteil. „Dann ist die leichte Geräuschkulisse eines Pubs keine schlechte Sache“, sagt Gaby Hubbart, Redakteurin des „Square Meal’s“-Magazins, das sich ausschließlich mit Business-Essen beschäftigt. Nur wenn es um konkrete Geschäftsabschlüsse gehe, rät Hubbart, „sollte man einen Einzelraum extra anmieten“. Auch sie sieht eine Flut guter Gastro-Pubs, während es vor fünf Jahren nur eine Hand voll gegeben habe. Hauptgrund: das Preis-Leistungs-Verhältnis. „Ein Menü für zwei kostet 45 Euro. In einem Restaurant zahlt man das Doppelte.“

Und dauert die Besprechung länger, ist das im Pub kein Problem. „In einem teuren Restaurant wird man schon mal im Kundengespräch gestört, weil der Kellner die Bestellung haben möchte“, sagt Immobilienmanager Toogood. In einem Pub könne man ruhig länger sitzen bleiben. „Für mich ist es wichtig, dass die Gäste sich entspannt und ruhig fühlen“, bestätigt Justin Saunders, Chef des „Perseverance“, und berichtet, dass eine Gruppe von vier Herren im feinen Zwirn kürzlich vom Mittagessen bis sieben Uhr abends blieb, offensichtlich ins Dienstgespräch vertieft. Rechnung: rund 1 000 Euro.

Allerdings: Pubs haben auch Nachteile. Vielen fehlt eine moderne Klimaanlage, so dass es ziemlich rauchig werden kann. Außerdem nehmen die meisten keine Reservierungen an. Und nicht alle sind wirklich gut, warnt Roger Gascoigne, Direktor des Architekturbüros Fusion Design. Einige Brauereien hätten alte Pubs übernommen und führten sie unter dem Stammnamen. Doch zu essen gibt es dort doch nur das einheitlich angekarrte Essen der Pub-Ketten.

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