Die Steigerung des Machers ist – der Selbermacher
Auf den Putz hauen

Guten Tag. Sie kommen zurecht?“ Der freundliche Herr mit der roten Weste will uns helfen. Aber da ist er an diesem Samstagmorgen an der falschen Adresse. Nicht mit uns - wir sind Selbermacher!

Sehen wir etwa so aus, als kämen wir nicht zurecht? Wären wir hier, wenn wir nicht zurecht kämen? Wir sind hier doch im Baumarkt, wo naturgemäß nur Könner vorkommen. Hier steht doch schon auf fast jedem Produkt Profi drauf. Und das wissen wir schon von Nutella: Was draufsteht, ist auch drin, in diesem Falle nah dran. Hier ist der Mann nicht nur der Macher, sondern dessen Steigerung, der Selbermacher.

Den erkennt man in seinen Jagdgründen zwischen den haushohen Regalen des Baumarktes an seinem langsamen Gang und dem schweifenden Blick. Waren es früher vornehmlich die Männchen, die sich hier ihre Waffen- und Munitionssammlung zusammensuchten mit Hochdruckreinigern, Bohrmaschinen und Kettensägen und wahre Wettbewerbe im stummen Stemmen von Rotbandsäcken austrugen, so sind in jüngster Zeit immer häufiger auch Weibchen zu beobachten, die hier auf die Pirsch gehen.

„Das Do-it-yourself-Sortiment ist softer geworden“, sagt Johanna Meessen. Die Obi-Sprecherin begründet damit den schrumpfenden Männerüberschuss und beobachtet, dass fast die Hälfte ihres Publikums weiblich ist. Die stöbert nicht nur in der Gartenabteilung oder bei den Heimtextilien, sondern längst auch bei den Eisenwaren und Baustoffen.

„Da fühle ich mich wohl“, sagt Claudia Bode. Früher renovierte die 33-jährige Bankangestellte nur gelegentlich. „Mein Vater nannte mich Kleistermeister“, erinnert sich die Frau aus Willich an ihre Kindertaten. Heute ist sie die amtierende „Miss Do-It-Yourself“, berufen von der Deutschen Heimwerker-Akademie. In einer aufwendigen Prüfung musste sie im vergangenen Jahr vor fachkundigem Publikum tapezieren, Fliesen kleben und Laminat verlegen.

Man sieht ihr den Titel nicht an, wenn sie durch den Baumarkt streift und vermehrt auf Artgenossinnen trifft: „Die Entscheidungen treffen sowieso die Frauen.“

Eine Einschätzung, die sich deckt mit der von John W. Herbert. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte BHB: „Die Baumärkte haben die Frauen entdeckt.“ Wohl auch deshalb konnte die Branche mit ihren 4 332 Märkten in Deutschland im vergangenen Jahr gegen den Trend immerhin ein bescheidenes Plus präsentieren. Knapp 17,5 Milliarden Euro wurden umgesetzt.

Herbert möchte das Baumarkterlebnis am liebsten noch zum gesellschaftlichen Ereignis stilisieren, wenn er von jungen Menschen berichtet, die sich gegenseitig zum Tapezier-Event einladen. Mitbringsel dafür gibt’s natürlich im Baumarkt.

„Eigene Ideen umzusetzen und anschließend ein sichtbares Resultat in Händen zu halten ist für viele Menschen ein echtes Erlebnis und oftmals ein Ausgleich zu einem kopflastigen Bürojob“, sagt auch die Obi-Frau Johanna Meessen.

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