Die vier Beschuldigten sollen eine Bande gebildet haben
Opferanwälte im Dutroux-Prozess kritisieren Ermittler

Einen Tag vor den Plädoyers der Staatsanwaltschaft im belgischen Mädchenmordprozess haben Opferanwälte zahlreiche Fahndungspannen in der Dutroux-Affäre kritisiert. Vielen Hinweise auf Hintermänner Dutroux' seien nicht nachgegangen worden, hieß es.

HB ARLON/BRÜSSEL. Der zuständige Untersuchungsrichter habe viele Hinweise auf Hintermänner des vorbestraften Kinderschänders Marc Dutroux beiseite geschoben, sagte ein Anwalt des überlebenden Entführungsopfers Laetitia Delhez. An diesem Mittwoch sollen die Vertreter der Anklage mit ihren Plädoyers beginnen.

Die Delhez-Anwälte Georges-Henri Beauthier und Jan Fermon zogen völlig andere Schlüsse aus der 400 000 Seiten starken Ermittlungsakte als Untersuchungsrichter Jacques Langlois. So sei es unmöglich, dass die beiden achtjährigen Mädchen Julie und Mélissa während einer 106 Tage dauernden Haftzeit von Dutroux allein in dessen Keller überlebten. „Es ist schon möglich, dass Marc Dutroux bei seiner Rückkehr Julie und Mélissa lebend angetroffen hat“, sagte Beauthier. „Aber wann und von wem sind sie dann in das Verlies zurückgebracht worden?“ Die Leichen der Kinder wurden später auf einem Dutroux- Grundstück ausgegraben.

Für Beauthier und Fermon zeigen auch die Drogengeschäfte des Mitangeklagten Michel Nihoul und dessen häufige Telefonate mit Dutroux, dass alle vier Beschuldigten zusammen eine Bande bildeten. Der mehrfach vorbestrafte Betrüger Nihoul habe sich stets auf hoch stehende Persönlichkeiten berufen, um andere unter Druck zu setzen und sich selbst zu schützen. Der Hauptangeklagte Dutroux sei letztlich von Polizeikreisen geschützt worden, sagte Fermon. Chefermittler Langlois habe in den jahrelangen Nachforschungen aber Spuren zu Hintermännern und Mittätern ignoriert.

Mit Spannung wurden am Gerichtsort Arlon die Plädoyers der Anklagevertreter an diesem Mittwoch erwartet. Staatsanwalt Michel Bourlet geht anders als Untersuchungsrichter Langlois davon aus, dass Dutroux die Entführungen von insgesamt sechs Mädchen Mitte der 90er Jahre nicht als isolierter Einzeltäter plante und ausführte. Vier der sechs entführten Mädchen starben während ihrer Gefangenschaft. Ein Urteil des Schwurgerichts wird für Mitte Juni erwartet.

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