Die weißen Besucher werden herzlich begrüßt
Einlochen unter der Tüte

Südafrika lockt mit Golfanlagen vom Feinsten. Doch fernab des satten Grüns führt der Soweto Country Club Kinder aus armen Familien an den Sport heran – und hält sie so von der Straße fern. Ein Besuch im anderen Südafrika.

Der Weg führt in eine andere Welt. Weg von den exklusiven Spielwiesen Sun City oder Fancourt, nichts ist zu spüren von der Metropole Kapstadt, von Luxus-Resorts und Traumstränden.Den Golf-Bag im Kofferraum, rollt man vorbei an den bunt angemalten Kühltürmen eines Stromkraftwerks und dem gigantischen Baragwanath-Hospital, dem größten Krankenhaus Afrikas. Dann über die Old Potchefstroom Road in das knapp 15 Kilometer entfernte Pimville. Ein historisches Pflaster: Im Nachbarort Orlando liegt das Heldendenkmal in memoriam Hector Petersen, des ersten Schülers, der bei den Aufständen 1976 von der Polizei erschossen wurde. Und ein bisschen oberhalb hat Winnie Mandela ihr Haus, patrouilliert von einem Arsenal kleiner Kameras. Kein typisches Township-Haus – eher ein kleiner Palast. Mehr als 500 professionell angelegte Golfplätze gibt es in Südafrika, doch hier, am Südende von Pimville, liegt der vielleicht ungewöhnlichste: der Soweto Country Club, im Herzen der Schwarzensiedlung So-We-To, der South Western Township.

So mancher hält es für geschmacklos, inmitten der Armut den Schläger zu schwingen. „Unsere Mitglieder haben wenig Geld, das stimmt“, erklärt Absolom Nkosi, der seit 35 Jahren Golf spielt und als Nachwuchstrainer seit zwölf Jahren versucht, junge Schwarze für diesen Sport zu begeistern. „Aber wir freuen uns sehr über Besuch von außen.“ Auch von Touristen. Es ist der Besucher auf der anderen Seite Südafrikas, der Seite, die nicht in den Prospekten der Luxus-Reiseveranstalter zu finden ist, und wenn, dann nur unter dem Hinweis: „Orte, die Sie meiden sollten.“

Wer den Schritt in das andere Südafrika wagt, wird überrascht sein. Neugierig und oft herzlich werden die weißen Besucher beim Eintreffen am Golfplatz von ein paar schwarzen Golfern begrüßt. Ausländer zahlen für eine 18-Loch-Runde unter der Woche zehn Rand und an Wochenenden 20 Rand, das sind umgerechnet 2,50 Euro. Dass weiße Besucher trotz der günstigen Preise auch im Jahre neun nach dem Ende der Apartheid noch immer eine Seltenheit sind, liegt vor allem am schlechten Ruf der Townships und ihrer hohen Kriminalität. In der Tat sollten Besucher, die sich nicht auskennen, für die Fahrt lieber ein Taxi oder einen Tourdienst buchen oder sich vorher mit jemandem treffen, der ihnen den Weg weist.

In Pimville weisen, wie in vielen anderen Townships auch, keine Straßenschilder den Weg. Entsprechend leicht kann man sich verfahren. Als Weißer ist man ohnehin – auch das sollte nicht verharmlost werden – leicht Objekt der Begierde: Die Hautfarbe verrät grundsätzlich Reichtum. 500 bis 600 Mitglieder hat der Soweto Country Club, verrät Nkosi. Zwar haben die meisten von ihnen einen Job und gelten damit am Kap bereits als privilegiert. Doch ihr Durchschnittsverdient liegt monatlich bei kaum mehr als 3 000 Rand, das sind etwa 350 Euro.

Kein Wunder also, dass sich der monatliche Beitrag nur auf 20 Rand beläuft. Weniger als 600 Beitragszahler? Nicht eben viele in einer Township mit über drei Millionen Menschen – aber immerhin ein Anfang. Schließlich galt Golf auch hier bis kurzem als ein elitärer weißer Sport. Doch dieses Image ändert sich zusehends. Deutlich wird dies an den vielen jungen Schwarzen, die im Soweto Country Club zumindest unter der Woche den Abschlag proben. „Golf hat schon manche von ihnen vor dem Absturz in die Kriminalität bewahrt“, sinniert Nkosi, während der 14-jährige Elias gerade das Einputten übt.

Angesichts der weit verbreiteten Armut wird hier, anders als in den exklusiven Clubs, zwangsläufig weniger Wert auf Äußerlichkeiten gelegt. Während auf den teuren Anlagen strikte Vorschriften herrschen, tragen die jugendlichen Golfer in Soweto oft zerschlissene T-Shirts und ungeputzte Schuhe. „Die Jungen kommen aus einfachsten Verhältnissen und erhalten ihre Ausrüstung oft von den älteren Spielern, die ihnen einen nicht länger benötigten Schläger oder ihr Polohemd geben“, erklärt der Golf-Lehrer. Wer allerdings glaubt, in Soweto auf Brachlandwiesen oder im hohen Gras zu golfen, sieht sich getäuscht. Der einfache Kurs mit dem sonnenverbrannten Gras und den baumgesäumten Wiesenstreifen ist vielmehr ein Beispiel dafür, dass man nicht viel Geld braucht, um einen passablen Platz herzurichten.

Wenn die jungen Spieler am frühen Nachmittag auf das braune Grün hinaustreten, liegt vor ihnen ein weites Areal trockener Wiesen, die als Fairways dienen. Bisweilen markieren verrostete Blecheimer die Abschlagpunkte; die Fahne ist gelegentlich ein Stock mit einer daran befestigten Plastiktüte. Nkosi klagt bitter über die Nachlässigkeit der Gemeindeverwaltung, der die Instandhaltung des Platzes obliegt. Besonders ärgerlich sei, dass die Bewässerungsanlage nicht funktioniere und der Rasen für längere Zeit nicht gemäht worden sei. „Idealerweise müsste das jeden Tag passieren. Aber ich habe in den letzten beiden Wochen niemanden gesehen“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Die Spieler machen aus der Not eine Tugend und erledigen die Platzpflege oft nebenher. Wer nicht gerade einen Putt spielt, entfernt schnell etwas Unkraut oder sammelt auch schon mal den Abfall vom Picknick des Vorabends zusammen. Da es am südlichen Ende des Platzes keinen Zaun gibt, tummeln sich auch Clubfremde auf der Anlage: Mütter mit Kindern oder jugendliche Fußballer. Die vielen kleinen Trampelpfade sind Indiz dafür.

Zum Aufbruch erzählt Nkosi rasch die Geschichte des Clubs, die in vieler Hinsicht seiner eigenen entspricht. Als der heute 67-Jährige Ende der sechziger Jahre mit dem Golfspiel „im Busch“ begann, waren Schwarze in den exklusiven Golfclubs der Weißen noch tabu. Erst 1974 wurde in Pimville auf einer Brachlandwiese die erste Bahn gebaut; die ersten Grüns folgten aber erst im Laufe der achtziger Jahre. Für die meisten Jungen, sagt Nkosi, sei es ein erhebendes Gefühl, den Ball auf ein solches Green zu schlagen.

Obwohl die Hindernisse oft nur aus kleinen Erdgruben oder einem tiefer gelegten Stück Wiese bestehen, hat der Kurs auch seine Tücken – andere, als man sie von den Edel-Fairways kennt. Nkosi schmunzelt: „Aber daran stört sich hier niemand“, weder an der großen Pfütze vor dem 13. Grün noch an dem frischen Kuhfladen mitten auf der Spielbahn.

Golf in Soweto

Anfahrt: Die Anfahrt erfolgt von der Johannesburger Innenstadt aus oder vom Hotel des Besuchers und kostet per Taxi etwa 150 Rand für eine einfache Fahrt, das sind etwa 17 Euro. Tipp: vorher den Preis aushandeln!

Gruppen: Alternativ können Gruppen oder Einzelreisende Tourdienste benutzen, die sich auf Trips durch Soweto spezialisieren.

Soweto Country Club: Mokoka Road, Pimville, Soweto; P. O. Box 68, Kliptown. Der Club hat kein eigenes Telefon; Spieler können entweder Spielarrangements vor Ort treffen oder sich an Absolom Nkosi wenden, Tel. 002782/ 4138011

Alternativ für Auskünfte: Huddle Park Golf Club, Linksfield (Tel. 002711/ 6406725)

Platz: 18-Loch-Kurs; 6 500 Meter; Greenfee: 20 Rand (2,50 Euro); kein Proshop; Clubhaus nur am Wochenende geöffnet

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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