Dieter Zetsche
Auf dem Drahtseil

Dieter Zetsche hat dem Daimler-Chrysler-Konzern schon vor Amtsbeginn am 1. Januar 2006 seinen Stempel aufgedrückt. Mag der in Istanbul geborene Manager noch so harmlos mit seinem Seehund-Schnauzer aussehen, er kann beißen. Kurz vor Weihnachten schockte er die Beschäftigten. Der Abbau von 8 500 Stellen ist ihm nicht genug. Noch einmal so viele Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Zetsche riskiert mit offenem Visier die Konfrontation mit den Arbeitnehmervertretern.

HB STUTTGART. Der neue Chef sieht es als Glücksfall an, dass sein Widersacher Eckhard Cordes nach verloren gegangenem Rennen um den Chefposten im Konzern gleich die Brocken als Mercedes-Chef hinschmiss. So konnte der 52-Jährige sofort und noch vor seiner Ernennung zum Konzernchef die Probleme im Kerngeschäft Mercedes angehen.

Zetsche hat ohnehin eher seine Stärken im operativen Handeln. Hatte Vorgänger Jürgen Schrempp gerne große Strategien entwickelt, interessiert Zetsche viel mehr, was sich davon umsetzen lässt. "Wir müssen mit weniger mehr erreichen", bringt Zetsche die Mercedes-Probleme auf den Punkt. Aber nicht nur diese: Er hat längst klar gemacht, dass ihm die Prozesse besonders in der Möhringer Zentrale zu langsam sind. "Der Konzern ist noch zu hierarchiebetont", sagte Zetsche dem Handelsblatt. Dabei gehe Effektivität verloren. Die Konzernzentrale erscheint ihm "manchmal wie eine Festung".

Beobachter erwarten, dass sich Zetsches bodenständiger Führungsstil erheblich von dem seines Vorgängers unterscheiden wird. Der 52-Jährige kündigt zwar noch keine konkreten Pläne an. Seine offene Art, mit der er Chrysler sanierte, ist in Stuttgart aber schon bekannt. Zetsche sucht den direkten Kontakt mit den Mitarbeitern, auch wenn es um unangenehme Dinge wie den jüngsten Stellenabbau bei Mercedes geht.

Die Zeit der großen Visionen scheint bei Daimler-Chrysler jedenfalls vorbei. Bis Mitte der 90er-Jahre hatte Edzard Reuter aus Daimler-Benz einen Technologiekonzern mit Software, Flugzeugen und Rüstungsgütern gezimmert. Nachfolger Jürgen Schrempp leitete eine radikale Strategiewende ein. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren fokussierte er Daimler wieder auf den Automobilbau. Die Übernahme von Chrysler war die bis dahin größte Fusion der Branche.

Ein grundsätzlicher Strategiewechsel wird von Zetsche nicht erwartet. Aber dennoch wird er verkrustete Strukturen schleifen und den Konzern auf Effizienz trimmen. Das muss nicht gleich eine Kampfansage an die Beschäftigten in der Konzernzentrale sein. "Ich bin es gewohnt, mit den Leuten zu arbeiten, die ich vorfinde." Das werde sich bei seiner Rückkehr in die Konzernzentrale nicht ändern, sagte Zetsche. Er hat nach Ansicht von Konzernbeobachtern keine andere Wahl - nach fünf Jahren USA fehlt ihm die Hausmacht in Stuttgart. Zetsche wird aber genau darauf achten, wer mitzieht und wer nicht. Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank warnt davor, Zetsche zu unterschätzen. Er werde den Personalabbau bei Mercedes genauso hart durchziehen wie bei Chrysler, wo er 24 000 Stellen strich. Zetsche gilt als in der Sache hart. Neue Modelle würden zu aufwendig entwickelt und produziert. Schon bei Chrysler hatte er das Investitionsbudget für fünf Jahre von 42 auf 30 Mrd. Dollar gekürzt, aber die Produktpalette um 50 Prozent ausgeweitet.

Schnelle Erfolge wird Zetsche nicht vorweisen können. Ob die Übernahme von Chrysler doch noch zum Erfolg wird, liegt ab jetzt an Zetsche. Keiner kennt beide Seiten besser. Wem, wenn nicht ihm, sollte es gelingen, Mercedes enger mit Chrysler zu verzahnen? Das Kunststück wird dabei sein, dass Mercedes als Marke keinen weiteren Schaden nimmt. Für Zetsche wird das zu einem Drahtseilakt.

Dieter Zesche ist einer von 17 Machern, die 2006 prägen werden. Hier stellen wir Ihnen die weiteren Personen vor:

Peer Steinbrück: http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011110/SH/0/depot/0/Lieblingstier_Rhinozeros_.html

Matthias Platzeck: http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011113/SH/0/depot/0/Der_wolkige_Pragmatiker_.html

Ursula von der Leyen http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011114/SH/0/depot/0/Den_Kindern_verpflichtet_.html

Michael Diekmann http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011115/SH/0/depot/0/Der_Tabubrecher_.html

Gordon http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011117/SH/0/depot/0/Premier_im_Wartestand_.html

Romano Prodi http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011118/SH/0/depot/0/Professore_Mortadella_.html

Susanne http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011125/SH/0/depot/0/Im_Verborgenen_schaffen_.html

Hartmut Mehdorn http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011126/SH/0/depot/0/Das_verflixte_siebte_Jahr_.html

Wendeling http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011130/SH/0/depot/0/In_heikler_Mission_.html

Heinrich http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011134/SH/0/depot/0/Job_mit_Haken_und_%D6sen_.html

Ben Bernake http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011137/SH/0/depot/0/Falke_oder_Taube_.html

Wolfgang Kirsch http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011140/SH/0/depot/0/Meister_im_Zuh%F6ren_.html

Herbert http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011142/SH/0/depot/0/Der_Allein-Unterhalter_.html

Friedemann http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011146/SH/0/depot/0/Der_Entfant_terrible_.html

Rembrandt Harmensz van http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011152/SH/0/depot/0/Der_gesch%E4ftst%FCchtige_Macher_.html

Bruder Sebastianhttp://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!204455,301051,1011154/SH/0/depot/0/Die_Kehrseite_der_Hilfe.html

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