Digitale Polizei

Mit eigener App gegen Einbrecher

Auch die Polizei setzt auf die Vorteile der Digitalisierung. In Niedersachsen sammelt eine App Informationen über Einbrüche und schätzt die Gefahr für Wiederholungstaten ein. Die Ermittler sind zufrieden.
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Ein Kommissar der Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel nutzt die Einbruchs-App „Premap“ vom Landeskriminalamt. Die Ermittler testen, ob sich mit der Software Einbrüche vorhersagen und stoppen lassen. Quelle: dpa
Polizei testet Einbruchs-App „Premap“

Ein Kommissar der Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel nutzt die Einbruchs-App „Premap“ vom Landeskriminalamt. Die Ermittler testen, ob sich mit der Software Einbrüche vorhersagen und stoppen lassen.

(Foto: dpa)

SalzgitterDer Auftrag lautet, Einbrüche zu verhindern. Björn Hirsch und Daniel Arth von der Polizei in Salzgitter setzen sich in ihren Streifenwagen und starten ihren Tabletcomputer. Wenige Sekunden später zeigen farbige Markierungen auf dem Display die Einbruchschwerpunkte der vergangenen 24 Stunden, und die beiden Beamten machen sich auf den Weg genau dorthin. Was schon so routiniert wirkt, ist eigentlich noch ganz neu.

Seit Anfang Februar läuft bei der Polizeiinspektion in Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel sowie in Wolfsburg ein niedersächsisches Pilotprojekt. Das digitale Programm „PreMap“ gibt den Polizisten mobil und zeitnah Informationen über Wohnungseinbrüche, die bis zu vier Wochen zurückliegen.

Die Informationen zu den Einbrüchen werden dabei auch genutzt, um Prognosen über die Gefahr von Wiederholungstaten abzugeben. Grundlage dafür ist die weltweite Erfahrung durch das Phänomen „Repeat-Near-Victimisation“. Aufgrund von empirischen Daten wird dabei davon ausgegangen, dass Täter nach einer ersten Tat innerhalb der nächsten 72 Stunden oft im Umkreis von 500 Metern erneut zuschlagen.

Spektakuläre Kriminalfälle des Jahres
Freiburger Mordfall
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Es ist ein Fall, über den später ganz Deutschland sprechen sollte: Mitte Oktober wird in Freiburg die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. vergewaltigt und getötet. Anfang Dezember nehmen die Ermittler einen Mordverdächtigen fest – einen jungen Flüchtling aus Afghanistan. Die Herkunft des jungen Mannes befeuert die Debatte um Flüchtlinge.

Ähnlicher Fall in derselben Region
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Noch ein zweiter Fall bewegt die Region Freiburg: Drei Wochen nach dem Verbrechen an Maria L. wird in Endingen – etwa 30 Kilometer von Freiburg entfernt – eine 27 Jahre alte Joggerin vergewaltigt und ermordet. Der Täter ist in diesem Fall noch nicht ermittelt.

Frau mit Seil hinter Auto hergeschleift
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Auch in Hameln in Niedersachsen ist das Entsetzen groß. Ein Mann soll seine frühere Lebensgefährtin mit einem Seil um den Hals an ein Auto gebunden und 250 Meter weit über die Straße geschleift haben. Ein Streit um den gemeinsamen Sohn war wohl Auslöser der Gewalttat. Der Zweijährige saß mit im Auto, als sein Vater die Mutter hinter sich herzog. Das Opfer – die 28-jährige Kader K. – liegt tagelang lebensgefährlich verletzt im Koma.

Fall Peggy nimmt überraschende Wendung
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2001 verschwand das neunjährige Mädchen aus Lichtenberg in Bayern auf dem Heimweg von der Schule – es blieb verschwunden. Ohne dass eine Leiche gefunden wurde, wird ein geistig behinderter Mann wegen Mordes verurteilt, aber später in einem neuen Prozess freigesprochen. 2016 überschlagen sich die Ereignisse: Ein Pilzsammler findet in einem Wald in Thüringen Skelett-Reste, die Peggy zugeordnet werden können. Wenige Monate später stellt sich heraus, dass an dem Fundort DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt wurden. Ob und inwieweit die Tatkomplexe Peggy/NSU zusammenhängen, bleibt vorerst rätselhaft.

17-Jähriger stirbt nach Prügel-Attacke
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Wenn aufsehenerregende Fälle von Mord und Totschlag in die Schlagzeilen kommen, sind häufig Frauen und Kinder die Opfer. Doch auch der Fall des 17-jährigen Prügel-Opfers Niklas aus Bonn löst große Anteilnahme aus. Der Schüler ist im Mai mit Freunden auf dem Heimweg von einem Konzert, als sie im Stadtteil Bad Godesberg auf eine andere Gruppe junger Männer treffen. Niklas wird geschlagen und auf dem Boden liegend getreten. Er stirbt im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Hauptverdächtigen und einen weiteren mutmaßlichen Täter.

Silvio S. zu lebenslanger Haft verurteilt
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Silvio S. hatte den sechsjährigen Elias aus Potsdam sowie den vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed entführt und ermordet. Wochenlang war im Jahr 2015 nach den Kindern gesucht worden. Im Sommer 2016 wird Silvio S. zur Höchststrafe verurteilt: zu lebenslanger Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, was später eine Freilassung erschwert. Für das Gericht steht fest, dass der Wachmann die zwei Jungen missbrauchte, weil er zu schüchtern war, etwas mit einer Frau anzufangen, sich aber Nähe und Sex wünschte.

Mann erschießt 21-Jährigen im Supermarkt
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Lebenslang und besondere Schwere der Schuld – so lautet im Februar das Urteil des Landgerichts Hannover über einen Mann, der serienweise Supermärkte überfallen und dabei einen 21-Jährigen erschossen hatte. Der Räuber hatte monatelang Angst und Schrecken vor allem bei den Beschäftigten der Supermärkte verbreitet. Stets betrat er kurz vor Ladenschluss den Markt, bedrohte die Kassiererin mit einer Pistole und verlangte Geld.

Es geht nicht darum, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Das würde die Polizisten zwar freuen, ist aber in den zehn Wochen, in denen das Projekt läuft, noch nicht vorkommen. „Das Programm ist ein Teil unserer Präventionsarbeit gegen Einbrüche“, sagt Hauptkommissar Hirsch. Es helfe vor allem bei der Vorbereitung und Planung der Streifenfahrten.

Früher mussten die Beamten in der Wache unzählige Papiere durchgehen und Tabellen sichten, bevor sie sich überhaupt in den Streifenwagen setzen konnten. Diese Arbeit erledigt jetzt das Programm. Hirsch und sein Kollege, Oberkommissar Arth, sind nach den ersten Wochen überzeugt, dass die App ihnen dabei hilft, schneller und gezielter in Risikogebieten Streife zu fahren.

„Davon gibt es hier Salzgitter einige, wir haben viele Fälle“, sagt Hirsch bei der Fahrt durch Norden der Stadt. Drei Taten in jüngster Vergangenheit zeigt das Display für diesen Bereich an. Viele Schwerpunkte für Einbrüche kennen die Beamten natürlich. Es komme aber auch oft vor, das sie von der Auswahl der Einbrecher überrascht sind.

Denn die professionellen Täterbanden konzentrieren sich nicht nur auf Einfamilienhäuser in besseren Wohnlagen. „Sie schlagen auch in Reihenhaussiedlungen zu, in denen es auf den ersten Blick gar nicht so viel zu holen gibt“, berichtet Arth. Mit den verlässlichen Daten aus dem Programm müssen sich die Polizisten nicht mehr auf die eigene Wahrnehmung und ihr Bauchgefühl verlassen.

App-Entwicklung in Eigenregie
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