Dioxin-Skandal
Verseuchtes Futter in mehreren Bundesländern

Nach einer Panne in einer belgischen Fabrik ist Dioxinverseuchtes Viehfutter möglicherweise an Mast- und Zuchtbetriebe in mehreren Bundesländern gelangt. Höfe in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wurden vorsorglich gesperrt. Die belgischen Behörden haben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

HB HAMBURG/BRÜSSEL. Bei zwei Mastbetrieben in Südthüringen wurden Reste des Futtermittels sichergestellt. Dort dürfen geschlachtete Tiere vorerst nicht verkauft werden. „Dies ist kein kleiner Vorfall. Aber es besteht keinerlei direkte Gefahr für die Volksgesundheit“, sagte Behördenchef Piet Vanthemsche in Brüssel.

Nach Angaben der Ermittler gelangte das giftige Dioxin über einen Gelatine-Hersteller in die Nahrungskette. Das Unternehmen Tessenderlo Chemie räumte ein Problem bei der Filtrierung von Salzsäure ein, die zum Ablösen des Fetts von Schweineknochen verwendet wird. Durch die defekten Filter war die Säure mit Dioxin verunreinigt. Von dem Gelatine-Hersteller bezogen Tierfutterbetriebe einen Grundstoff, der in Futter für Schweine und Geflügel gemischt wurde. Die Aufsichtsbehörde sperrte 300 belgische Höfe, die das Futter verwendet hatten, bis die Kontrollen abgeschlossen sind. Auch Züchter in den Niederlanden sind nach früheren Angaben betroffen.

Die in Belgien festgestellten Dioxin-Konzentrationen sollen unter den Werten liegen, die unmittelbar schädlich sind. Bei den Kontrollen war nach PCB gesucht worden, was als Hinweis auf eine mögliche Dioxinverseuchung galt. Anders als in der belgischen Dioxin-Affäre vor sechs Jahren wurden nun aber Dioxine unabhängig von PCB-Werten in der Nahrungskette gefunden.

Das Potsdamer Agrarministerium teilte am Dienstag mit, ein Schweine-Zuchtbetrieb in Brandenburg habe möglicherweise verseuchtes Futter aus Belgien erhalten. Es gehe um rund 185 Tonnen Mischfutter. Das Unternehmen sei gesperrt worden, Proben des Futters werden untersucht. Eine Gefahr für Verbraucher bestehe nicht, da die Ferkel erst nach mehreren Wochen Aufzucht weiterverkauft würden.

In Nordrhein-Westfalen war bereits am Montag vorsorglich ein Schweinemastbetrieb im Kreis Borken gesperrt worden. Er hatte Mischfutter aus den Niederlanden bezogen, dem aus Belgien stammende Zusatzstoffe beigemischt wurden. Der zulässige Dioxin-Grenzwert sei darin um das 25fache überschritten worden. Ergebnisse der Untersuchungen des Futters werden noch in dieser Woche erwartet.

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