Diskrepanz zwischen staatlicher Regelung und Natur
Wie die innere Uhr mit der neuen Zeit umgeht

„Zeit ist, was man auf einer Uhr ablesen kann“, sagte Albert Einstein. Der berühmteste Physiker des 20. Jahrhunderts entwickelte vor genau hundert Jahren die Spezielle Relativitätstheorie, die das Zeitverständnis revolutionierte.

HB HAMBURG. Mit seiner Antwort auf die Frage eines Journalisten, was Zeit eigentlich sei, wollte er sagen, dass dieser Begriff nicht etwas Absolutes und Allgemeingültiges bezeichnet, sondern etwas Relatives und auch Beobachtbares, von Uhren Angezeigtes.

Daran mag man auch denken, wenn am 27. März wieder die so genannte Sommerzeit beginnt: Die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt - nach 1.59 Uhr kommt 3.00 Uhr. Sieben Monate lang wird es dann eine Stunde später Tag und ist es am Abend eine Stunde länger hell. Manchem fällt eine Zeitlang die Umstellung schwer, weil er an einen festen Tag/Nacht-Rhythmus gewöhnt ist. Die zitierte Zeitdefinition Einsteins ist zwar auf eine staatliche Uhrzeitregelung wie die Sommerzeit nicht direkt beziehbar, doch an ihr wird besonders konkret die Bedeutung der Uhr deutlich: Sie, nicht die Natur, bestimmt im sozialen Leben den Ablauf des Tages.

Den Rhythmus von Tag und Nacht spüren wir in unserem Leib. Liegt das an dem vom Tag/Nacht-Wechsel bestimmten Wechsel von Schlafen und Wachen oder steuert diesen Rhythmus ein endogenes, inneres Programm? Mehrere Wochen bis Monate lange Tests mit Versuchspersonen in Isolierkammern haben eindeutig gezeigt, dass die physiologischen und psychologischen Veränderungen des tagesperiodischen Wechsels endogen sind. Es hat sich dabei aber auch gezeigt, dass die Uhrzeit und die Veränderungen nicht deckungsgleich sind. Zwar hat ein Tag 24 Stunden, doch hat man bei den Tests festgestellt, dass die tagesperiodischen Rhythmen bei den Menschen im Durchschnitt bei 25 Stunden liegen.

Der Mensch geht also sozusagen nach. Die Tatsache des 25-Stunden- Tages unter Isolationsbedingungen wirkt sich auch in der Alltagspraxis aus: Unser Verhalten ist so an den Uhrzeittag angepasst, dass wir gewöhnlich nach Sonnenaufgang aufstehen und erst nach Sonnenuntergang schlafen gehen. Hätten wir eine innere Uhr von etwa 23 Stunden, würden wir demgemäß dem Tageslauf von Licht und Dunkel nicht nachhinken, sondern möglicherweise jeden Morgen schon um 3 Uhr aufstehen und um 17 Uhr ins Bett gehen.

Eine besonders extreme Diskrepanz zwischen Uhrzeit und Natur, in diesem Fall dem Sonnenstand, hierzulande gab es in der ersten Zeit nach Kriegsende 1945. Mitten durch Deutschland verlief eine Zeitzonengrenze von zwei Stunden, weil in der sowjetisch besetzten Zone die Moskauer Zeit galt.

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