Disziplinierter Meinungsstreit
Zoff Skills entscheiden

Als moralisch gefestigte Menschen reagieren wir auf Pöbeleien, Händel, Mobbings und Beleidigungsattacken aller Art mit notwendiger Abscheu und Empörung. Und trotzdem: Politik, Wirtschaft und Kultur wären ohne den disziplinierten Meinungsstreit nicht denkbar. Und ohne die intriganten Pöbeleien nicht zu genießen.

DÜSSELDORF. Zwei alte Herren schauen von der Loge herab auf das darunter rasende Zeitgeschehen. Sie kommentieren mit krächzender Stimme den Fortgang der Ereignisse und geraten darüber, stets keckernd und geifernd, in einen beherzten Zoff.

Unter gewöhnlich dramatischen Umständen würde es sich hier bei dem streitbaren Greisenduo um die Herren Waldorf und Statler aus der Muppet-Show handeln.

Unter den aktuellen Bedingungen des Gegenwartstheaters sind’s freilich die Gerontomaten Rolf Hochhuth und Claus Peymann. Hochhuth („Der Stellvertreter“) schreibt Theaterstücke, Peymann leitet das „Berliner Ensemble“. Die beiden zettelten neulich, beim Betrachten der Welt im Allgemeinen und des jeweils eigenen Egos im Besonderen, ein bemerkenswertes Theater an, das sich zu faszinierenden Verbalinjurien hochschaukelte und zu beispielhaften Injurien spitzte.

Zusammengefasst, wirft der eine Alte (R. Hochhuth, 75) dem anderen Alten (C. Peymann, demnächst 70) vor, ein alter Theatersack zu sein und nur alte Stücke auf die Bühne zu bringen. Er möge in Rente gehen und die Intendanz jüngeren Kräften überlassen. Woraufhin Peymann argwöhnte, damit könne Hochhuth nur den Berliner Jungstar „Knut“ (1) gemeint haben. Peymann zu Hochhuth: „Würden Sie doch Ihre Wut und Erregung und die Dramatik Ihrer Attacken, die Sie ständig gegen den altmodischen Peymann richten, endlich wieder einmal in eines Ihrer Theaterstücke stecken!“

Die Chose kulminierte schließlich in gegenseitigen Vorwürfen der Bestechung und Untreue, vorzugsweise ausgetragen auf dem Berliner Boulevard. Als Anwalt hat Hochhuth praktischerweise Otto Schily eingeschaltet, der auch schon mal dem Kontrahenten Peymann beistand. Das Publikum, in Sonderheit die Kulturberliner, beobachten den Fortgang der Ereignisse mit fasziniertem Amüsement.

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