Dmitri Utkin
Vom Chefkiller zum Chefkoch

Dmitri Utkin war Berufssoldat, Söldnerkommandant – und ist nun General Manager der „Concord Management & Consulting“, die eine Reihe von Restaurants betreibt. Doch harmlos sind die Geschäfte der Firma nur auf den ersten Blick.
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MoskauUngewöhnliche Karriere: Laut russischen Medienberichten ist dem Chef der Söldnergruppe Wagner, Oberstleutnant Dmitri Utkin, die Beförderung zum General gelungen; genauer gesagt zum Generaldirektor der „Concord Management & Consulting“ GmbH. Das Unternehmen betreibt eine Reihe von Restaurants und gehört dem Putin nahen Oligarchen Jewgeni Prigoschin. Utkin ist eine der dubiosesten Figuren der sogenannten hybriden Kriegsführung, derer sich Russland seit einigen Jahren bedient.

Der 1970 geborene Berufssoldat war bis 2013 Kommandeur einer Spezialeinheit einer Brigade des Armeegeheimdienstes (GRU) im westrussischen Gebiet Pskow, ehe er als Reserveoffizier entlassen wurde. Danach wechselte er zur privaten Moskauer Sicherheitsfirma Morgan Security Group, die in Syrien den sogenannten „Slawischen Korpus“ aufbaute, der die Armee von Staatschef Baschar al-Assad unterstützte.

Ein Jahr später war Utkin bereits Kommandeur einer eigenen Einheit, die entsprechend seinem militärischen Decknamen „Wagner“-Truppe genannt wurde. Unter seiner Führung sollen bis zu 2500 Mann ohne offiziellen Kombattantenstatus gestanden haben. „Wagner“-Kämpfer trainierten dabei aber in engem Verband mit russischen Soldaten und Sondereinheiten und waren sowohl in Syrien als auch in der Ostukraine und auf der Krim aktiv.

Gesetzlich ist Söldnertum in Russland verboten. Die Beteiligung an bewaffneten Konflikten in anderen Ländern wird mit sieben Jahren Haft bestraft. Auf Anwerbung, Finanzierung und Ausbildung von Söldnern steht sogar eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Utkin alias Wagner wurde im Dezember 2016 stattdessen zu einem Empfang in den Kreml eingeladen: „Ich weiß nicht, wodurch er bekannt ist, aber Dmitri war wirklich da. Er ist Träger des Tapferkeitsordens und hat das Gebiet Nowgorod vertreten“, bestätigte später Kremlsprecher Dmitri Peskow Utkins Teilnahme.

Ansonsten wollte der Kreml das Auftauchen der „Wagner“-Truppe als private Sicherheitsfirma in Syrien und der Ukraine nicht kommentieren. Dafür hat das US-Justizministerium eine eindeutige Einschätzung Utkins abgegeben und ihn in diesem Sommer auf die Sanktionsliste gesetzt.

Auf der Liste steht auch „Concord Management & Consulting“. Auf den ersten Blick verwunderlich, betreibt das Unternehmen doch zunächst ziemlich zivile Geschäfte: Mehrere Edelrestaurants in Moskau und St. Petersburg, eine Kette unter dem Namen „Schokoladenmuseum“ und den Bau einer Cottage-Siedlung „im Geiste königlicher Residenzen früherer Jahrhunderte“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt.

Doch Besitzer Jewgeni Prigoschin ist in Washington auch wegen anderer Geschäfte bekannt: Tatsächlich hat er sein erstes Geld mit einem Catering-Service in St. Petersburg gemacht, just zu der Zeit, als Wladimir Putin dort in der Stadtverwaltung saß. Dieser wurde nach mehreren Empfängen auf Prigoschin aufmerksam. Inzwischen sorgt er großteils für die Versorgung der russischen Streitkräfte und Moskauer Schüler. Daneben hat er sein Business aber deutlich diversifiziert, ist im Immobilien- und Mediensektor aktiv.

Ihm wird die Finanzierung der „Petersburger Trollfabrik“ zugeschrieben. Auch Verbindungen zur Wagner-Gruppe gibt es: Russische Medien berichteten im Sommer über einen brisanten Deal, wonach Prigoschins Firma „Euro Police“ Ölförderrechte in Syrien erhalten soll. Ein Viertel der Petrolreserven in den Bürgerkriegsgebieten stand zur Disposition. Diese Ölquellen sollte aber zuvor die „Wagner“-Truppe erobern und anschließend auch schützen. Offiziell wurden diese Vereinbarungen in Moskau und Damaskus nicht kommentiert.

Prigoschin selbst dementierte alle Beziehungen zur Wagner-Truppe: „Wir haben keine Informationen über die Tätigkeit der von ihnen genannten Organisation“, sagte ein Sprecher des Unternehmers der Nachrichtenagentur RBK. Allein das Bestehen einer solchen privaten Sicherheitsfirma habe Prigoschin „äußerst überrascht“, fügte er hinzu. Dementsprechend könne er auch nicht bestätigen, dass es sich bei seinem neuen Generaldirektor um den früheren Söldnerführer handle. Die Ernennung Utkins sei allerdings ohnehin eine rein „private Entscheidung“.

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