Doktortitel: Auf der Jagd nach Plagiaten

Doktortitel
Auf der Jagd nach Plagiaten

Zwei ähnliche Zahnarzt-Doktorarbeiten über die Netzhaut von Makaken-Affen? Alles schon dagewesen. Experten der Rechercheplattform VroniPlag Wiki wollen rund 50.000 Arbeiten überprüfen.
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BerlinDer Doktortitel am Praxisschild ist vielen Medizinern wichtig - immerhin 70 Prozent der Studenten schreiben deshalb ihre Doktorarbeit. Doch längst nicht jeder angehende Hausarzt ist leidenschaftlicher Wissenschaftler. Die Versuchung, den Titel mit relativ geringem Aufwand zu erlangen, ist in der Medizin deshalb groß, beklagen Experten seit langem.

Neben Münster ist in diesem Jahr auch Berlin als zweiter „Hotspot“ ins Visier von Plagiatsexperten geraten. Auf der VroniPlag Wiki-Liste tauchten bis Dezember allein 31 potenziell gefälschte Medizin-Dissertationen und Habilitationsschriften auf, die an der Charité entstanden sind.

Nach und nach wollen die Berliner Informatikerin Debora Weber-Wulff (Hochschule für Technik und Wirtschaft) und Mitstreiter der Rechercheplattform VroniPlag Wiki rund 50 000 Doktorarbeiten und Habilitationsschriften deutscher Hochschulen überprüfen - überwiegend aus der Human- und Zahnmedizin.

„Das bietet sich an, weil die Arbeiten meist kurz sind“, sagt Weber-Wulff. Von 2011 bis Dezember 2014 sind bei VroniPlag Wiki insgesamt 134 plagiierte Doktorarbeiten und 7 Habilschriften dokumentiert worden - nach Durchlaufen des mehrstufigen Prüfverfahrens auch mit Autorennamen.

Interessantes trat dabei zutage: In Münster beispielsweise zwei fast identische zahnmedizinische Arbeiten, die über Affen-Netzhäute verfasst wurden. In Berlin unter anderem ein Cluster von sechs Doktoranden der Zahnmedizin, die alle mit ähnlichem Material beim selben Professor promovierten.

„Dieser Professor ist mittlerweile nicht mehr an der Charité“, sagt Volker Bähr, der dort das Büro für Gute Wissenschaftliche Praxis leitet. Auf seinem Tisch landen auch die Eingaben von VroniPlag Wiki. „Die machen gute Arbeit“, sagt Bähr. Dennoch dauert ein eigenes Überprüfungsverfahren an den Universitäten dann oft noch viele Monate.

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