Dolce vita statt Politik
Joschka Fischer feiert in Rom seine fünfte Hochzeit

Nicht in Berlin, wo sie seit September 2003 zusammen leben, sondern in Rom haben am Samstag Abend Außenminister Joschka Fischer und Minu Barati geheiratet. „Si“ sagte der 57-jährige Fischer, „Ja“ die 29-jährige Deutsch-Iranerin, gekleidet in ein kurzes champagnerfarbenes Seidenkleid. Ein Dolmetscher übersetzte die italienischen Trauungsformeln.

Bürgermeister Walter Veltroni, einer der Spitzenpolitiker der Opposition und mit Fischer aus Zeiten der „Toskana-Fraktion“ gut bekannt, übernahm die Trauung persönlich, wenn auch ohne die dekorative grün-weiß-rote Schärpe, die italienische Bürgermeister sonst bei Amtshandlungen tragen.

Nur die engsten Verwandten und Freunde, darunter Fischers zwei erwachsene Kinder und Minu Baratis kleine Tochter sowie ein italienischer Deutschland-Korrespondent, durch den sich das Paar seinerzeit kennen gelernt hatte, waren in der „sala rossa“ des Kapitolspalastes dabei. Fischer ist nun zum fünften Mal verheiratet. Nach der Zeremonie im Amtssitz des römischen Bürgermeisters, wo Fischer vor einem Jahr die europäische Verfassung mit unterzeichnete, wurde im Restaurant „Checchino 1870“ gefeiert. „Es war ein deutsch-italienisches Gastmahl mit traditioneller römischer Küche“, erzählt ein italienischer Freund des Paares.

Die Geheimhaltung ihrer Trauung bis zum letzten Moment glückte dem Paar perfekt, so dass am Sonntag nur zwei italienische Tageszeitungen kurz berichteten – keine Chance für Journalisten, den noch amtierenden Außenminister nach seinen Zukunftsplänen zu fragen. Fischer hatte wenige Tage nach der Bundestagswahl erklärt, dass er für führende Parteiämter nicht mehr zur Verfügung stehe. Nach sieben Jahren als Außenminister will er künftig nicht zweiter oder dritter Oppositionführer sein – nach FDP und Linkspartei. In der ersten Sitzung des neuen Bundestages nahm er demonstrativ in den hinteren Reihen Platz. Selbst zum Grünen-Parteitag reiste Fischer nicht mehr an – auch um der Partei eine personelle Neuaufstellung zu erleichtern.

Auch ansonsten macht er sich in Berlin rar. Noch ist er zwar das geschäftsführender Außenminister, kommt aber nicht mehr jeden Tag ins Auswärtigen Amt. Über seine Zukunftspläne schweigt er eisern. Ein Buch („Die Rückkehr der Geschichte“) hat er gerade veröffentlicht. Mit Sicherheit werden weitere folgen, vielleicht auch seine Memoiren. In seinem Umfeld wird damit gerechnet, dass Fischer möglicherweise noch einmal auf internationaler Bühne eine Rolle spielen könnte. Allerdings ist völlig unklar, wo dies sein könnte.

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