Dollar
Die widerstrebende Reservewährung

Der Dollar ist angezählt: Seine Funktion als führende Reservewährung scheint aufgrund des dramatischen Kursfalls in den vergangenen sieben Jahren zu wackeln. Doch ob der Euro sie übernehmen kann, bleibt fraglich.

FRANKFURT. Der fast schon dramatisch zu nennende Fall des Dollarkurses in den vergangenen sieben Jahren hat die Funktion des Dollars als Weltreservewährung einer ernsten Belastungsprobe unterzogen. Alle diejenigen, die ihre nationalen Devisenreserven in Dollarwertpapieren angelegt haben, mussten herbe Wertverluste verkraften. Dabei geht es um mehrere Billionen Dollar und um Buchverluste, die ebenfalls fast in den Billionenbereich gehen.

Da wundert es nicht, dass sich immer mehr Länder fragen, ob sie nicht besserfahren würden, wenn sie ihre nationalen Notgroschen wenigstens zu einem größeren Teil in härteren Währungen anlegten; in den Sinn kommt ihnen dabei als Erstes der Euro, denn nur er hat durch sein großes Währungsgebiet das Potenzial, der Welt eine Alternative zum Dollar zu bieten.

Der Euro-Raum spielt im Welthandel eine wichtige Rolle, hat einen großen Finanzmarkt und eine relativ stabile Wirtschaftsentwicklung. Doch noch haben unter den Währungsexperten diejenigen die Oberhand, die bezweifeln, dass der Euro den Dollar in absehbarer Zeit als führende Reservewährung ablösen kann. "Der Euro erfüllt noch nicht alle Bedingungen, die ihn dazu qualifizieren würden", meint etwa Giles Moec von der Bank of America. Er verweist darauf, dass wichtige europäische Finanzmärkte immer noch national fragmentiert sind. Außerdem hält er, wie viele angelsächsische Beobachter, die Währungsunion in Abwesenheit einer vollständigen politischen Union für eine potenziell fragile Konstruktion. Hinzu kommt die ungünstigere demografische Entwicklung. Sie spricht dafür, dass der Euro-Raum die wirtschaftliche Dynamik der USA nicht dauerhaft erreicht.

Moec zweifelt auch daran, dass die europäischen Regierungen den Euro gerne in der Rolle der Weltreservewährung sehen würden, trotz der Vorteile, die das bringt.

Zu den Vorteilen gehört vor allem ein niedriger Zins. Der resultiert daraus, dass man internationalen Investoren mit der Reservefunktion etwas bietet, für das sie bereit sind, auf Rendite zu verzichten. Dem stehen allerdings auch Probleme bei der Steuerung der Wirtschaftsentwicklung gegenüber. Reservewährung zu werden ist mit massiven Kapitalzuflüssen verbunden. Der Euro würde weiter aufwerten oder zumindest dauerhaft hoch bewertet bleiben. Die niedrigen Zinsen würden die Inlandsnachfrage antreiben, der hohe Wechselkurs die Exporte dämpfen. Folge wäre ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit.

Die USA haben bewiesen, dass es sich damit gut leben lässt. Doch mit der Übergangsphase wären schmerzliche Umstrukturierungsprozesse verbunden, deren Tempo nur schwer zu dosieren ist. Das verarbeitende Gewerbe müsste schrumpfen, der Dienstleistungsbereich könnte stärker wachsen. Mit diesem Strukturwandel könnten Länder wie Frankreich, wo das verarbeitende Gewerbe einen deutlich unterdurchschnittlichen Anteil an der Wirtschaftsleistung ausmacht, leichter zurechtkommen als industrielastige Länder wie Deutschland und Italien.

Die unterschiedlichen Ausgangslagen in Verbindung mit den divergierenden Präferenzen in der Politik könnten zu schweren Spannungen führen. Zum Beispiel, wenn Deutschland wie in der Vergangenheit versuchen würde, die erodierende Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten zu kompensieren, indem Löhne und Kosten weiter gedrückt werden, während die Franzosen auf einen Ausbau der inländischen Nachfrage setzen. Das würde nicht gut zusammenpassen. Vor allem Frankreich würde dabei schlecht wegkommen.

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