Drahtzieher der Anschläge vom 11. September
Ein Mann wird zum Terror-Mythos

Zehntausende Soldaten durchkämmen seit Jahren die Berge im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf der Suche nach Osama bin Laden. Seit 2001 fehlt von dem Mann, der als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September gilt, jede noch so schwache Spur. Doch möglicherweise will die US-Regierung bin Laden gar nicht fangen.

HB KABUL/KAIRO. Spezialeinheiten, Geheimdienstler, Aufklärungsdrohnen und nicht zuletzt 25 Millionen Dollar Kopfgeld – alle Anstrengungen der Weltmacht USA, den meistgesuchten aller Terroristen zu fassen, sind erfolglos geblieben. Seit fünf Jahren ist Osama bin Laden spurlos verschwunden. In der afghanischen Hauptstadt Kabul, wo die Taliban Bin Laden bis zu ihrem Sturz Ende 2001 immer wieder beherbergten, wird daran gezweifelt, ob die US-Regierung den El-Kaida-Chef tatsächlich noch fassen will – oder ob er Washingtons Anti-Terror-Feldzug in Freiheit nicht dienlicher ist.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte US-Präsident George W. Bush Bin Laden keine Chance eingeräumt. „Wenn er glaubt, er könnte sich verstecken und vor den USA und ihren Verbündeten fliehen, dann hat er sich schwer getäuscht.“ Der damalige US-Armeesprecher in Afghanistan kündigte 2004 an, der Terrorchef werde noch im selben Jahr gefasst. Am Jahresende sagte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf dann, Bin Ladens Spur sei erkaltet.

Halbherzige Suche

Die USA haben angesichts der Situation im Irak lediglich 20 000 Soldaten in Afghanistan, die Hälfte davon im unzugänglichen Grenzgebiet mit zerklüfteten, im Winter unpassierbaren Bergen, reißenden Flüssen und hunderten von Höhlen. Bin Laden könne dort auf ein seit rund 20 Jahren aufgebautes Netzwerk von Kontakten zurückgreifen, sagt Michael Scheuer, Leiter der ehemaligen CIA-Abteilung für die Jagd auf den Al-Kaida-Chef. Außerdem kenne er sich in der Region bestens aus, und sein Status „als Held in der islamischen Welt ist ein weiterer Faktor, warum er noch nicht gefasst ist“.

Ein afghanischer General glaubt dagegen nicht unbedingt an eine gerechte Strafe für Bin Laden. Schließlich hätten die USA ein Interesse daran, in der strategisch wichtigen Region stark vertreten zu sein, sagt er – Afghanistan grenzt an den Iran, an China, Pakistan und an rohstoffreiche GUS-Staaten. Käme den USA mit Bin Laden der wichtigste Feind abhanden, fiele die Rechtfertigung für ihre massive Präsenz zumindest schwerer als jetzt.

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