Drangsalierte Musiker auf Kuba

„Diktatoren mögen keine Rockmusik“

Die Rolling Stones rocken das sozialistische Kuba. Doch der Alltag auf der Insel ist ein anderer: Über einen Punkrocker, der in Kuba nicht spielen darf, drangsaliert wird und immer wieder unter Hausarrest steht.
Der Frontmann der kubanischen Punkrockband „Porno para Ricardo“ über die tägliche Drangsalierung von Rockmusikern auf Kuba. Quelle: dpa
Gorki Aguila

Der Frontmann der kubanischen Punkrockband „Porno para Ricardo“ über die tägliche Drangsalierung von Rockmusikern auf Kuba.

(Foto: dpa)

HavannaGorki zeigt auf die neue Kamera am Laternenmast, 50 Meter von seinem Apartment entfernt. „Damit beobachten sie mich“, sagt er. Während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Kuba stand er unter Hausarrest, eine Polizeipatrouille wachte vor seiner Tür. Essen musste er sich von Freunden bringen lassen.

Gorki Águila war schon mehrfach inhaftiert, er ist Frontmann der regimekritischen kubanischen Punkrock-Band „Porno para Ricardo“ - in der karibischen Heimat dürfen sie nirgendwo auftreten.

Das Apartment: ziemlich abgerockt, blaue und rosafarbene Wände, politische Botschaften, zwei abgewetzte Sofas. An einer Wand steht in Rot „Gorki“. Er: schwarze zerzauste Haare, Nasenpiercing, in der Hand einen Kaffee. Er redet ohne Punkt und Komma, furioser Zorn - auf Fidel und Raúl Castro.

Songs der 1998 gegründeten Band heißen „El Comandante“ und „El Submarino“ (Das U-Boot) - gespickt mit bösem Sarkasmus. Als Gorki (47) hörte, dass ausgerechnet am Karfreitag erstmals eine britische Rockband ein großes Open-Air-Konzert im sozialistischen Kuba geben darf, und dann gleich die legendären Rolling Stones, war er erst einmal dagegen. „Ich würde niemals in einem Land spielen, das die Menschenrechte verletzt.“ Durch das Gratis-Konzert werde nur das Regime um Staatschef Raúl Castro gestärkt.

Aber dennoch wollte er natürlich hin - wenn er nicht festgenommen wird. Ist das nicht ziemlich inkonsequent? „Hombre“, sagt er, „das sind die Rolling Stones.“ Aber seine Botschaft, die er Sänger Mick Jagger am liebsten ins Gesicht schreien würde: „Ich kann hier nicht spielen, Mr. Jagger.“ Sofern das Regime die Band ausreisen lässt, spielt sie mal in Miami oder zuletzt in Tschechien, finanziert von den Gastgebern oder Exilkubanern.

Mit Schirm, Charme und der Air Force One
Werbung für den historischen Besuch
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Barack Obamas Kuba-Reise sorgte bereits im Vorfeld für Interesse. Überall auf den Straßen der kubanischen Hauptstadt Havanna wurde der historische Besuch angekündigt.

Obama im Anflug
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Ein Spektakel auf den Straßen von Kuba. Menschen beobachten die Air Force One im Landeanflug auf den Jose Marti International Flughafen in Havanna.

Verregnete Ankunft
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Der US-Präsident kam zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den beiden Töchtern Malia Ann und Natasha. Zur Ankunft spielte das sonst meist sonnige Wetter in Kuba nicht mit. Am ersten Tag seiner dreitägigen Reise sorgte anhaltender Nieselregen für eine trübe Atmosphäre.

Historischer Besuch
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Und dann war es soweit. Zum ersten Mal seit 1928 hat mit Barack Obama ein US-Präsident kubanischen Boden berührt. „Que bolá Cuba?“, („Wie geht's, Kuba“), twitterte er in landestypischer Mundart bei seiner Ankunft. Obama Visite gilt als symbolischer Höhepunkt der Annäherung an den früheren Erzfeind.

Begrüßung auf dem Flughafen – ohne Castro
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Am Flughafen wurden Obama von ranghohen Regierungsvertretern Kubas wie Außenminister Bruno Rodríguez begrüßt – allerdings nicht von Staatspräsident Raúl Castro. Dessen Abwesenheit betrachtete das Weiße Haus indes nicht als Affront. Castros Erscheinen sei „nie erwogen oder besprochen“ worden, sagte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes in Washington. Stattdessen will der kubanische Staatschef den hohen Gast am (heutigen) Montag im Palast der Revolution in Havanna begrüßen.

Spaziergang durch Havanna
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Unmittelbar nach der Landung unternahmen Obama und seine Familie einen Spaziergang durch die Altstadt von Havanna. Doch der inzwischen heftiger gewordene Regen und ein enormes Polizeiaufgebot sorgten für fast menschenleere Straßen.

Begegnung mit Kubanern
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Trotz der wenigen Menschen in der Altstadt von Havanna, ließ es sich Obama nicht nehmen die kubanischen Bürgern persönlich zu begrüßen.

Die in Wohnungen oder Kellern aufgenommenen Videos kursieren im Internet, das aber bisher in Kuba für das Volk kaum zugänglich ist. Gorki darf jede Woche umsonst zwei Stunden in der schwedischen Botschaft surfen und kann dort neue Songs und Videos hochladen. Auch andere Botschaften, darunter die der USA, ermöglichen Dissidenten wie Gorki eine kostenlose Internetnutzung.

„Kommunisten sind prüde und haben keinen Humor“, meint Gorki, der eine Tochter hat (19). Der Bandname? Eine Persiflage auf den Castro-Spruch „Patria o Muerte“ („Vaterland oder Tod“). Porno stehe als Gegenstück zum Muerte für Leben, Sex, Hedonismus. Ricardo, ein verrückter Freund, sei das Gegenstück zum uniformen Kollektiv, dass das Patria im kommunistischen Verständnis symbolisiere. Ricardo stehe für das kreative Individuum.

„Weg mit - du weißt schon wer.“
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