Drei Säuglinge starben vermutlich an akutem Vitamin-B1-Mangel
Ermittlungen gegen Mitarbeiterin der Humana Milchunion

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt jetzt gegen mindestens eine Mitarbeiterin der Humana Milchunion wegen fahrlässiger Tötung. Das Unternehmen hatte am Dienstag Fehler bei der Herstellung einer für Israel bestimmten sojahaltigen Säuglingsnahrung eingeräumt, die in Israel vermutlich zum Tod von zwei Säuglingen durch akuten Vitamin-B1-Mangel geführt hatte.

HB HERFORD/BERLIN/GIESSEN. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch im Hinblick auf die Ermittlungen einen Bericht der Zeitung „Westfalen-Blatt“. „Wir haben gestern auf Grund der Presseveröffentlichungen ein Ermittlungsverfahren gegen drei Verantwortliche eingeleitet“, sagte er weiter. Es bestehe der Anfangsverdacht einer fahrlässigen Tötung und eines Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz.

„Das Verfahren wurde von Amts wegen eingeleitet gegen die Leiterin der Produktentwicklung, gegen die Leitung des Qualitätsmanagements und gegen den Chemiker im Labor“, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang. In einer späteren Mitteilung der Staatsanwaltschaft hieß es, es werde nur gegen eine Humana-Mitarbeiterin ermittelt.

Das Verbraucherschutzministerium forderte derweil alle Hersteller von Babynahrung in Deutschland auf, ihre Produkte sorgfältig zu überprüfen. „Es muss sichergestellt werden, dass nicht auch bei anderen Produkten und Rezepturen Fehler aufgetreten sind“, sagte eine Sprecherin von Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast am Mittwoch.

In einem Brief an die zuständigen Länderbehörden bat Künast darum, die Lebensmittel-Überwachung bei allen Herstellern von Babynahrung zu intensivieren. „In erster Linie hat aber jedes Unternehmen die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass seine Produkte in Ordnung sind“, sagte die Sprecherin.

Der Herforder Babynahrungshersteller hatte am Dienstag zugegeben, wegen technischer Pannen Sojamilch nach Israel geliefert zu haben, die nur ein Zehntel der angegebenen Menge an Vitamin B 1 enthielt.

Durch fehlerhafte Berechnungen habe das Unternehmen der Sojamilch zu wenig Vitamin B1 beigemischt, sagte ein Vorstandssprecher am Dienstag in Herford in Nordrhein-Westfalen. In den Rückstellungen des Produkts "Remedia Super Soya 1" seien zwischen 29 und 37 Mikrogramm B 1 pro 100 Gramm Fertignahrung gefunden worden. Diese Werte lägen deutlich unter dem deklarierten Produktwert von 385 Mikrogramm pro 100 Gramm Fertignahrung und unterschritten darüber hinaus den EU-Richtwert von 120 Mikrogramm/100 Gramm.

Die israelische Generalstaatsanwaltschaft hat die Untersuchung des Todes der beiden Säuglinge angeordnet, der durch Vitaminmangel in der Säuglingsnahrung verursacht worden sein soll.

Im Frühjahr 2003 seien die Rezepturen der beiden Vorgängerprodukte als Grundlage genommen worden, um mit der israelischen Firma Remedia die neue koschere Nahrung für das erste Lebensjahr zu entwickeln. „Dabei sind die Analysedaten der vorhergehenden Rezepturen falsch interpretiert worden“, erklärte Humana.

Die fehlerhafte Berechnung habe zu der Auffassung geführt, dass der natürliche B1-Gehalt den gewünschten Wert erreiche und eine zusätzliche B1-Beigabe nicht notwendig sei, da es sonst zu einer Überdosierung des Vitamins gekommen wäre. Mit einer richtigen Berechnungsformel seien Vitamin B1-Werte in Höhe des Deklarationswertes zu erwarten gewesen.

„Wir stehen hier vor einer einmaligen Verkettung unglücklicher Umstände und betonen ausdrücklich, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt, der keines unserer anderen Produkte betrifft“, erklärte Humana-Vorstandssprecher Albert Große Frie. Die Firma stehe in Verbindung mit der Staatsanwaltschaft und anderen Behörden, um den Sachverhalt weiter aufzuklären. Humana werde organisatorische und personelle Konsequenzen ergreifen.

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