Drei Verletzte weiter in Lebensgefahr
Technischer Defekt wohl Ursache für Busbrand

Ein technischer Defekt in der Toilettenkabine wird als Ursache für die Buskatastrophe mit 20 Toten bei Hannover immer wahrscheinlicher. Vieles spreche für diese Version, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Zunächst war spekuliert worden, dass eine weggeworfene Zigarette das Feuer ausgelöst haben könnte

dpa HANNOVER. Das Gutachten der Brandexperten, die derzeit das Fahrzeugwrack untersuchen, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings erst in zwei Wochen erwartet. Der Reisebus aus Hannover war am Dienstagabend auf der Autobahn zwei in Flammen aufgegangen. Drei der 13 Verletzten schwebten am Freitag weiterhin in Lebensgefahr.

Der Zustand der drei Patienten sei kritisch, aber stabil, teilte die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) am Freitag mit. Sie haben Verbrennungen vorwiegend an den Händen und im Gesicht erlitten. Sechs der acht Leichtverletzten konnten das Krankenhaus nach Polizeiangaben inzwischen verlassen. Die 32-köpfige Gruppe war auf dem Rückweg von einer Kaffeefahrt im Münsterland, als der Bus kurz vor Hannover vollständig ausbrannte.

Das Feuer entstand durch einen Schwelbrand auf dem WC. Als eine Passagierin die Tür öffnete, breiteten sich die Flammen wie eine Feuerwalze aus. Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe hätte möglicherweise nicht diese Auswirkungen gehabt, sagte der Polizeisprecher. Die Fahrgäste im hinteren Teil des Busses, darunter ein 13-jähriges Mädchen und seine Eltern, hatten keine Chance.

Polizei und Staatsanwaltschaft schließen aber auch menschliches Versagen als Brandursache weiter nicht aus. Die Identifizierung der Opfer „läuft zur Zeit rund um die Uhr“, sagte Hannovers Polizeipräsident Uwe Binias am Freitag. Es habe mehr als 20 Stunden gedauert, die Körper aus dem Bus zu bergen.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) will nun den Einbau von Rauchmeldern in der Bordtoilette zur Pflicht machen. Der Branchenverband führe Gespräche mit den Busherstellern über einen serienmäßigen Einbau in neuen Bussen sowie über Geräte zur Nachrüstung, teilte der bdo am Freitag in Berlin mit. „Es ist nicht wahrscheinlich, dass jeder Brandschutzmelder aus dem Baumarkt dafür in Frage kommt“, erläuterte Verbandssprecher Martin Kaßler.

Am Donnerstagabend kamen rund 250 Menschen zu einem Trauergottesdienst in Hannover zusammen. 20 weiße Rosen - für jeden Toten eine - legte die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann vor dem Altar nieder. Mitschülerinnen weinten um das 13 Jahre alte Mädchen, das in den Flammen ums Leben gekommen war. Auch die Eltern des Mädchens starben bei dem Busunglück. Zur Trauerfeier der Stadt Hannover am kommenden Montag wird auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erwartet.

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