Drohender GAU: Große Sorge um zweitem Reaktor

Drohender GAU
Große Sorge um zweitem Reaktor

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TokioDie Lage in Japan ist nicht unter Kontrolle zu bringen und eskaliert weiter.

In einem zweiten Atomreaktor ist es nach Angaben der japanischen Regierung offenbar zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Die Radioaktivität sei kurzzeitig über das zulässige Niveau gestiegen, hieß es am Sonntag weiter.

Unterdessen hat die japanische Regierung am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Mobilisierung weiterer 100 000 Soldaten der Selbstverteidigungskräfte bekannt gegeben. Sie sollen offenbar helfen, die Lage im Fall eines schweren Unfalls im Kernkraftwerk Fukushima zu stabilisieren.

Der Betreiber des Unglücksreaktors, Tokyo Electric Power (Tepco), beunruhigt die Öffentlichkeit durch die Offenbarung, dass der Füllstand des Kühlwassers in dem Druckgefäß eines Reaktorblocks auf einen kritischen Stand gefallen ist und den Kern mit den Brennstäben kaum noch bedeckt. Wird der Atombrennstoff nicht mehr gekühlt, drohen eine Kernschmelze und Brände.

Das Amt für Reaktorsicherheit hat unterdessen zugegeben, dass die Explosion im Kernkraftwerk Fukushima 1 vermutlich auf eine Kernschmelze zurückgeht. Wenn der Reaktorkern sich im Normalzustand befände, hätte sich kein explosives Gas unter dem Dach des Gebäudes sammeln können, so die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA).

Tepco hat unterdessen  die Zahl der verletzten oder radioaktiv belasteten Kraftwerksmitarbeiter von vier auf 22 Menschen hoch korrigiert.

In der Anlage Fukushima I fiel am Sonntag in einem Reaktor das Kühlsystem aus. Die Betreiberfirma Tepco begann nach eigenen Angaben damit, Dampf abzulassen und rechnete mit der Freisetzung einer geringen Menge von Strahlung. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurden 140.000 Menschen in der Umgebung in Sicherheit gebracht. Wie die japanischen Behörden mitteilten, könnten bis zu 160 Personen der Strahlung ausgesetzt gewesen sein. In Evakuierungszentren wurden Flüchtende daraufhin untersucht. Nach dem Erbeben und einer zehn Meter hohen Flutwelle waren mehrere Reaktoren heruntergefahren worden. Probleme gibt es vor allem in der Anlage Fukushima I, die etwa 240 Kilometer nördlich von Tokio steht. Am Samstag gab es in einem Reaktor der Anlage eine Explosion. Zudem wurde Strahlung freigesetzt.

Nach Angaben der Regierung wurde am Sonntag wegen der ausgefallenen Kühlung in einen weiten Reaktor Wasser gepumpt. Dabei werde auch Strahlung freigesetzt. Die Menge sei aber ungefährlich. Einwohner in einem Umkreis von 20 Kilometern rund um den Komplex Fukushima I mussten das Gebiet verlassen. Für eine weitere Anlage in der Gegend, Fukushima II, gilt ein Zehn-Kilometer-Radius.

Der Tsunami zerstörte am Freitag weite Teile der Nordostküste Japans. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo wird die Zahl der Toten und Vermissten wahrscheinlich auf über 1800 steigen. Die Behörden haben zudem keinen Kontakt zu etwa 10.000 Einwohnern einer Kleinstadt. Das entspricht der Hälfte der Bevölkerung. Kyodo zufolge sind in ganz Japan 300.000 Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen harren in Notunterkünften aus. Fünfeinhalb Millionen Menschen hätten keinen Strom. In normalerweise betriebsamen Vierteln in der Hauptstadt Tokio herrschte am Samstagabend Leere. Die wenigen Besucher von Bars und Restaurants verfolgten im Fernsehen die Berichterstattung über die Rettungseinsätze für die Erdbebenopfer. Die japanische Notenbank will Medienberichten zufolge den Finanzmarkt mit umgerechnet mehreren Milliarden Euro stützen. Wie hoch die Belastungen für den japanischen Staatshaushalt sein werden, war zunächst unklar. Die Regierung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Haushaltsreserven in Höhe von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro bis Ende März ausreichen werden.

Mit Reuters

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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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