Drohender GAU
Japan beruhigt und schickt mehr Soldaten

Verheerende Situation in Japan: Nach der Explosion in dem Atomkomplex in der japanischen Präfektur Fukushima kämpfen Techniker mit Problemen in einem weiteren Reaktor. Japan mobilisiert jetzt mehr Soldaten.
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TokioIn einem zweiten Atomreaktor ist es nach Angaben der japanischen Regierung offenbar zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Die Radioaktivität sei kurzzeitig über das zulässige Niveau gestiegen. Mehr wurde bisher nicht bekanntgegeben.

Der Betreiber des Unglücksreaktors, Tokyo Electric Power (Tepco), beunruhigt die Öffentlichkeit durch die Offenbarung, dass der Füllstand des Kühlwassers in dem Druckgefäß eines Reaktorblocks auf einen kritischen Stand gefallen ist und den Kern mit den Brennstäben kaum noch bedeckt. Wird der Atombrennstoff nicht mehr gekühlt, drohen eine Kernschmelze und Brände. Das Amt für Reaktorsicherheit hat unterdessen zugegeben, dass die Explosion im Kernkraftwerk Fukushima 1 vermutlich auf eine Kernschmelze zurückgeht. Wenn der Reaktorkern sich im Normalzustand befände, hätte sich kein explosives Gas unter dem Dach des Gebäudes sammeln können, so die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA).

Das verheerende Erdbeben hatte nach revidierten Angaben eine Stärke von 9,0. Das gab die Meteorologische Behörde in Tokio am Sonntag bekannt. Zuvor hatte sie die Stärke auf 8,8 beziffert, während amerikanische Seismologen 8,9 gemessen hatten.

Zwei Tage nach dem Jahrhundertbeben in Japan versuchen Fachleute in einen Wettlauf gegen die Zeit, eine nukleare Katastrophe abzuwenden. In sechs Reaktoren an der Ostküste fiel die Kühlung aus. Am gefährlichsten ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima Eins. Dort pumpten Experten seit Samstagabend ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure in den Reaktor Nummer 1. Bor kühlt den Reaktor zusätzlich ab. Damit soll eine Kernschmelze verhindert werden, die so schlimm wie der Atomunfall 1986 in Tschernobyl in der Ukraine sein könnte. Eine ähnlich dramatische Entwicklung drohte in einem zweiten Reaktor in Fukushima Eins.

Ob eine teilweise oder vollständige Kernschmelze bereits im Gang ist oder war, blieb weiter unklar. Nach Angaben von Hisanori Nei von der Atomsicherheitsbehörde wird die Möglichkeit als groß angesehen, dass es in dem AKW Fukushima Eins schon vor der Explosion vom Samstag zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist. Es sei das erste Mal, dass in Japan zu einer Kernschmelze kam, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press weiter berichtete.

In dem Gebiet um die beiden Atomkraftwerke in Fukushima mussten bis Sonntagmorgen rund 200.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Mit der Evakuierung will die Regierung die Bewohner vor radioaktiver Strahlung schützen. Die Regierung in Tokio rief große Unternehmen auf, Strom zu sparen.

In der Nacht zu Sonntag fiel in einem weiteren Reaktorblock des Kraftwerks Fukushima Eins die Kühlung aus, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Damit waren sechs der insgesamt zehn Reaktoren in den beiden Kraftwerken Eins und Zwei ohne Kühlung. In dem neuen Problemreaktor - mit der Nummer drei - ließen Experten zeitweise radioaktiven Dampf nach außen ab. Es werde Wasser zum Abkühlen der Brennstäbe eingeführt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag. Die Radioaktivität in diesem Reaktor sei aber gering und unter Kontrolle.

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  • Genau diese Flansche und Leitungen sind die Schwachstellen aller Kraftwerke (nicht nur bei AKW´s auch bei allen anderen Dampferzeugern). In AKW´s sind dies Flansche, Leitungen und Sicherheitsschieber auf 5-fache Druck-Sicherheit ausgelegt wg des im Fehlerfall dort austretenden radioakiv kontaminiertem Wasser und Dampf das schlecht zu beherrschen ist. Bei normalen Kraftwerken (Kohle, Öl, Gas) wird dieser Bereich mit 2-facher Sicherheit ausgelegt, es komm ja im Fehlerfall nur sauberes heißes Wasser bzw Dampf raus.<br/><br/>

  • Wer behauptet das Reaktordruckgefäß sei nicht beschädigt redet dummes Zeug.
    Klar ist das Reaktordruckgefäß aus hochfestem Stahl ca 20 cm dick und in ca 1-2m Beton eingegossen.
    Aber es gehen zahlreiche Leitungen dort rein und raus. Zum Beispiel unten seitlich die 3 Hauptkühlleitungen mit einem Durchmesser von je ca 60 cm und oben die
    4 Primärdampfleitungen mit ca 50cm als Abgang, sowie zahlreiche andere Mess- Steuer-und Sicherheitsanschlüsse.
    Im Ganzen sind so um die 25 bis 30 Flanschanschlüsse vorhanden, die aus diesem Sicherheitscontainment herausführen.

  • Die Bilder der Expolsion deuten auf eine Wasserstoffexplosion hin.
    Das kann aber nur dann auftreten wenn Wasser extrem überhitzt und sich in Sauerstoff und Wasserstoff aufspaltet.
    Dies kann nur im Reaktorkern selbst bei zu niedrigem Wasserstand passieren.
    Dadurch steigt der Gas-Druck in Reaktorsicherheitsgefäß an
    und irgendwann wird dieses Gas-Gemisch über Sicherheitsventile (ca 80bar) ins Reaktorgebäude abgeblasen, was im Normalbetrieb so nicht vorgesehen ist.
    Wir reden hier von mehreren Tausend Kubikmeter Gas das sich dabei schlagartig entspannt und abgeblasen wird.
    Beim Auslösen der Sicheheitsventile (Berstplatten)
    gibt es zuerst eine Art Explosionsgeräuch.
    Danach genügt der kleinste Funke und es macht richtig Bum.
    Genau dieser Ablauf scheint hier passiert zu sein.

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