Dürre in China
„Ich will versuchen zu überleben“

Weite Teile Chinas leiden unter extremer Dürre – in manchen Regionen hat es seit zwei Jahren nicht geregnet. 20 Millionen Stück Vieh droht der Dürretod. Der Ernteverlust in China wird auf 1,5 Mrd Euro geschätzt. Die Bauern, die ohnehin schon in Armutsverhältnissen leben, stehen vor einer schwierigen Situation.

PEKING. Die Maiskolben sind so klein, dass man sie mit der Hand umschließen kann. Die meisten sind ohnehin von den vertrockneten Pflanzen abgefallen. Wo Bauer Zheng Meifa sonst um diese Jahreszeit auf ein grünes Feld blickt, hat er dieses Jahr nichts zu ernten. Nur ein paar braune und abgeknickte Halme stehen herum.

Zheng trägt schon lange kein Hemd mehr. Sonst sei die drückende Hitze einfach nicht auszuhalten, sagt er. Auf mehr als 40 Grad klettert seit Monaten das Thermometer um Chongqing im Südwesten Chinas. „Wir haben nicht einmal mehr genug Futter für die Schweine“, sagt der 66-Jährige und atmet durch. Seine Rippen sind deutlich zu sehen.

Insgesamt 15 Provinzen leiden unter der schwersten Dürre seit 50 Jahren. In manchen Regionen hat es seit mehr als zwei Jahren nicht geregnet, etwa in Ningxia im Nordwesten Chinas. Auch nördlich von Peking und in der grünen Provinz Yunnan leiden die Menschen unter der Trockenheit.

Berichten zufolge sind derzeit 18 Millionen Menschen ohne ausreichende Wasserversorgung. 2 000 Menschen sollen bereits durch die Hitze gestorben sein. Fast 20 Millionen Stück Vieh droht der Dürretod. Und der Ernteverlust wird bislang auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt.

Die Auswirkungen auf Chinas gesamtwirtschaftliche Entwicklungen sind damit noch gering. „Aber Bauern in den Bergregionen, die ohnehin schon in Armut leben, stehen vor einer schwierigen Situation“, sagt Guo Xiaomin, Direktor des landwirtschaftlichen Instituts an der Sichuan Academy of Social Sciences.

So wie Bauer Zheng. Er hofft nicht auf Staatshilfe. „Ich will versuchen zu überleben“, sagt er. Dafür sammelt er jetzt Lumpen. Denn ihm steht ein harter Winter bevor. Zwar fielen vergangene Woche um Chongqing endlich ein paar Tropfen Regen, doch jetzt ist es wieder drückend heiß. Allein in der Stadt und ihrem Umland leben rund 30 Millionen Menschen.

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