Duisburg
Polizei veröffentlicht Phantombild von mutmaßlichem Mafia-Killer

Noch tappt die Polizei im Dunkeln. Bei den Ermittlungen zum Sechsfachmord von Duisburg gibt es weiter keine Hinweise auf die Identität der Täter. So hoffen die Beamten auf Reaktionen auf ein Phantombild, das jetzt veröffentlicht wurde.

HB DUISBURG. Bei den Ermittlungen zum Sechsfachmord von Duisburg hat die Polizei am Donnerstagabend ein erstes Phantombild veröffentlicht. Bei dem dunkelhaarigen Mann handele es sich um den Fahrer eines Wagens, der sich kurz nach der Tat am Mittwochmorgen mit hoher Geschwindigkeit fluchtartig aus der Umgebung des Tatortes entfernt habe, hieß es. Nach Angaben der Polizei hatten Zeugen in unmittelbarer Tatortnähe zwei Männer gesehen, die in eine auf dem Mittelstreifen der Straße geparkte größere, dunkle Limousine stiegen.

Ein Fahrer wurde auf einem Phantombild abgebildet. Er ist demnach 1,80 Meter bis 1,85 Meter groß, schlank, hat schwarze, kürzere Haare und ziemlich lange Koteletten. Unterhalb des rechten Auges hat er einen dunklen Leberfleck. Wer Angaben zu dieser Person machen kann, kann sich bei der Mordkommission im Polizeipräsidium Duisburg unter 0203/280-4195 melden.

Die Mörder, die vermutlich mit Schnellfeuerwaffen ihre Opfer in zwei Autos vor einem italienischen Restaurant mit 50 bis 100 Schüssen durchlöchert haben, sind auf der Flucht. Die grausame Tat war höchstwahrscheinlich ein Racheakt im Mafia-Milieu. Die Duisburger Polizei geht inzwischen von einer Blutfehde zwischen zwei Familien aus dem kalabrischen San Luca aus, die ihren bisherigen Höhepunkt in den Morden in Duisburg gefunden hat.

Der Ex-Mafioso Giorgio Basile sagte in einem Interview, die Killer seien wohl kaum noch zu fassen und wahrscheinlich 20 Minuten nach der Tat über die niederländische Grenze entkommen. Möglicherweise kann eine Angestellte, die kurz vor der Tat am Mittwoch gegen 2.20 Uhr die Pizzeria verlassen hatte, in dem die späteren Opfer in interner Runde einen Geburtstag gefeiert hatten, Hinweise zu den Mördern geben.

„Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen ist die wahrscheinlichste Motivlage in einer wieder aufgeflammten Fehde zwischen verfeindeten Familienverbänden aus der kalabrischen Region San Luca begründet. Nach hier vorliegenden Informationen sind diese Familienverbände der mafiösen Struktur „'Ndrangheta“ zuzuordnen“, erklärtedie Duisburger Mordkommission.

Italienischen Berichten zufolge soll der 25-jährige Marco M., eines der sechs Opfer, das Hauptziel der Killer gewesen sein. Dies hätten bisherige Ermittlungen ergeben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Marco M. gehört dem Vottari-Pelle-Clan an, der mit dem Clan der Strangio-Nirta verfeindet ist. Diese Familie wirft Marco M. vor, für den Mord an Maria Strangio verantwortlich zu sein. Die Ehefrau des mutmaßlichen Clan-Chefs Giovanni Nirta war Ende 2006 erschossen worden. Beide Clans werden der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta zugerechnet.

Diese Medienberichte wurden von der Polizei nicht bestätigt. Allerdings sagte Italiens Innenminister Giuliano Amato, dass eines der Opfer von Duisburg möglicherweise in einen Mord in seiner Heimat Kalabrien verwickelt gewesen sei. Der Mann sei vermutlich nach Deutschland geflohen, „um sich zu bewaffnen und zu verteidigen.“ Doch „diejenigen, die Rache üben wollten, erreichten ihn eher als die Justiz“, fügte er hinzu; er nannte aber weder Namen noch Einzelheiten. Einige Angaben des Ministers treffen aber auf Marco M. zu: Er soll vor einigen Wochen mit einem Verwandten nach Deutschland gekommen sein.

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