Duisburgs Oberbürgermeister
Sauerland übernimmt moralische Verantwortung für Loveparade

Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland hat die moralische Verantwortung für die Tragödie bei der Loveparade übernommen. Zugleich stellte er sich angesichts der Ermittlungen demonstrativ hinter seine Mitarbeiter.
  • 0

DuisburgEs sei ihm ein persönliches Bedürfnis, sich bei den Betroffenen und Hinterbliebenen der Todesopfer zu entschuldigen, sagte er am Montag vor einer Ratssitzung in Duisburg. „Die Wunden sind längst nicht geheilt.“ Bei einer Massenpanik auf der Musikveranstaltung waren am 24. Juli vergangenen Jahres 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Zugleich stellte sich Sauerland demonstrativ hinter seine Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft wirft Mitarbeitern der Stadt Versäumnisse bei der Prüfung des Sicherheitskonzeptes vor, wie am Montag bekannt wurde. Die Loveparade in Duisburg, bei der vor einem Jahr 21 Menschen ums Leben kamen, hätte nach den bisherigen Ermittlungen nicht genehmigt werden dürfen. Die Staatsanwaltschaft sieht die Genehmigung in einem Zwischenbericht als rechtswidrig an, bestätigte ein Behördensprecher am Montag einen Bericht der „Rheinischen Post“.

Die Ermittler werfen laut „Rheinischer Post“ in dem Zwischenbericht unter anderem Mitarbeitern zweier städtischer Ämter vor, ihren Verpflichtungen zur Prüfung des Sicherheitskonzepts und der Einhaltung von Auflagen nicht nachgekommen zu sein. Die Behörde sieht demnach zudem ein pflichtwidriges Verhalten des Leitenden Polizeidirektors, der an dem Unglückstag ab Mittag für das Einsatzgeschehen verantwortlich war. Von den weiteren 15 Beschuldigten seien elf zum Zeitpunkt der Loveparade bei der Stadt Duisburg und vier bei Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller beschäftigt gewesen.

Der Zwischenbericht wurde bereits im Januar erstellt, aber nicht öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Katastrophe gegen die Beschuldigten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Oberbürgermeister Sauerland und Veranstalter Schaller gehören nicht dazu. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, ist noch völlig unklar. Dies werde noch einige Monate dauern, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Während der Loveparade am 24. Juli 2010 war am überfüllten Zugangstunnel zum Veranstaltungsgelände in Duisburg eine Massenpanik ausgebrochen. 21 junge Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Anschließend schoben sich die Stadt, der Veranstalter Lopavent sowie die Polizei gegenseitig die Verantwortung für die Tragödie zu.

Oberbürgermeister Sauerland übernahm derweil in einer öffentlichen Erklärung vor dem Rat der Stadt Duisburg die „moralische Verantwortung“ für die Katastrophe. Es sei ihm ein Bedürfnis, „mich bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen“, sagte Sauerland. „Duisburg verneigt sich in Trauer vor den 21 jungen Menschen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben.“ In der letzten Ratssitzung vor dem Jahrestag der Katastrophe gedachten die Ratsmitglieder mit einer Schweigeminute der Opfer. Sauerland war nach dem Unglück unter anderem in die Kritik geraten, weil er sich nicht entschuldigt hatte. In Duisburg sammeln Bürger derzeit Unterschriften für seine Abwahl.

Der Oberbürgermeister stellte sich trotz des Zwischenberichts der Staatsanwaltschaft hinter die Stadtverwaltung. „Ich habe keinerlei Hinweise, dass das Verwaltungshandeln in Duisburg falsch war“, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Darüber würden am Ende die Gerichte entscheiden. „Solange das nicht gerichtlich geklärt ist, haben meine Mitarbeiter für mich nichts falsch gemacht“, sagte Sauerland. Es gelte die Unschuldsvermutung. Er verwies zudem auf ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Kommune entlastete.

Kommentare zu " Duisburgs Oberbürgermeister: Sauerland übernimmt moralische Verantwortung für Loveparade"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%