Durchbruch in Chile
Rettungsbohrung erreicht verschüttete Kumpel

66 Tage nach dem Grubenunglück hat eine Rettungsbohrung die verschütteten 33 Bergleute erreicht. Der Schacht ist breit genug, um die Arbeiter mit einer Rettungskapsel nach oben zu holen. Bei den Angehörigen gab es Jubel und Freudentränen.
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HB COPIAPO. Nach mehr als zwei Monaten Gefangenschaft in 625 Meter Tiefe ist für die verschütteten chilenischen Bergleute die Rettung in Sicht. Der von Spezialisten gebohrte Bergungsschacht erreichte am Samstag die 33 Eingeschlossenen. Angehörige der Männer, die seit Wochen auf dem Gelände der Gold- und Kupfermine ausharren, brachen in Jubel und Tränen aus. Die eigentliche Bergung wird voraussichtlich am Dienstag beginnen. Nach Schätzungen von Bergbauminister Laurence Golborne wird es drei bis zehn Tage dauern, die Arbeiter in einer kaum mehr als schulterbreiten Kapsel einen nach dem anderen nach oben zu hieven. Bevor es soweit ist, müssen Ingenieure darüber entscheiden, welche Teile des Rettungsschachts zur Sicherheit mit Metall ausgekleidet werden.

Die Rettungskräfte reagierten mit Freudensprüngen, als der Schacht sein Ziel erreichte. Familienangehörige der Bergleute schwenkten chilenische Flaggen und stürmten den Hügel, auf dem die Bohrung ihren Ausgang genommen hatte. „Mein Herz schlägt wie verrückt“, jubelte Norma Lague, deren 19 Jahre junger Sohn Jimmy Sanchez unter den Eingeschlossenen ist. Andere Frauen ließen sich in einem provisorischen Friseursalon in Erwartung der Rückkehr ihrer Männer die Haare machen.

Die Angehörigen und Freunde verfolgen die Rettungsarbeiten in einem Lager mit dem Namen „Hoffnung“ und harren mit Mahnwachen auf dem Zechengelände aus. „Wir warten auf gute Nachrichten“, schilderte Christina Nunez die Stimmung, kurz bevor die Bohrung am Ziel war. Ihr eingeschlossener Mann Claudio Yanez sei guten Mutes und aktiv genug, um die Zeit totzuschlagen.

Die 33 Bergleute hatten das Unglück am 5. August überlebt und waren nach 17-tägiger Suche wie durch ein Wunder lebend gefunden worden. Durch einen Schacht werden die Bergleute, die bis zu ihrer Entdeckung jeder etwa zehn Kilogramm abgenommen hatten, seither mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten versorgt. Die Arbeiter bedankten sich, indem sie Briefe, Kruzifixe und Kleidungsstücke nach oben schickten. Videoaufnahmen zeigten, wie sie - bärtig geworden - in der Tiefe gegen die Unbilden der Hitze und der Feuchtigkeit ankämpften.

Eingeschlossene hielten sich mit Sport fit

Trotz der langen Zeit in der Tiefe sind sie von bemerkenswert guter Gesundheit. Allerdings leiden einige unter Hautkrankheiten. Mit ihren bisher 65 Tagen Gefangenschaft haben die Bergleute einen Weltrekord der eigenen Art aufgestellt. Die 1963 nach dem Unglück in einer Eisenerzgrube im niedersächsischen Lengede geborgenen elf Bergleute mussten 14 tage auf ihre Rettung warten.

Zur psychologischen Unterstützung der Eingeschlossenen hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa Spezialisten nach Chile geschickt.

Sie gaben den Bergleuten auch Tipps, wie sie sich in ihrer Zwangslage durch Sport fit halten können. Die Verschütteten bauten zudem eine Latrine, um die Hygiene zu gewährleisten und Krankheiten zu verhindern.

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