Eagles-Sänger Hughes
„Ich habe Muslime die Attacke feiern sehen“

In einem Interview erklärt Sänger der Rockband Eagles of Death Metal, er habe vor den Attacken im Bataclan „feindliche Blicke“ wahrgenommen. Seine Äußerungen versetzen die Franzosen in Rage. Ist er ein Verschwörungstheoretiker?

Jeff Hughes ist Sänger der Rockband Eagles of Death Metal und als eigenwilliger Zeitgenosse bekannt. Er liebt Feuerwaffen und ist ein glühender Verteidiger des „2nd amendment“, der Ergänzung der US-Verfassung, auf die sich alle amerikanischen Waffennarren beziehen. Seine Fans, auch in Frankreich, haben stets darüber hinweggesehen. Seit die Eagles beim brutalen Terroranschlag im Musikclub Bataclan am 13. November 2015 auf der Bühne standen, werden sie fast als Helden verehrt. 90 Menschen starben damals im Kugelhagel der Terroristen, die Band kam unverletzt davon und spielte seitdem zweimal wieder in Paris, einmal bei einem Gratiskonzert für die Angehörigen der Opfer.

Doch Hughes‘ jüngste Äußerungen zu den Anschlägen in Paris versetzen die Franzosen in Rage. Hughes sei „ein Verschwörungstheoretiker“ und äußere sich rassistisch, werfen ihm die Organisatoren des Pariser Festivals „Rock en Seine“ vor. „Wir verzichten unter diesen Umständen auf die Teilnahme der Eagles und danken ihnen für ihr Verständnis“, schrieben sie am Freitag in einer Mitteilung.

Was Hughes im konservativen „Taki’s Magazine“ von sich gibt, hat es in der Tat in sich: Er habe die Attentäter schon vor Beginn des Angriffs im Saal gesehen, einer habe „meinen Kumpel mit feindlichen Blicken fixiert, damals habe ich das als übliche Eifersucht der Araber auf selbstsichere Amerikaner interpretiert“. Während der Anschlag ablief, habe er „in der Straße Muslime die Attacke feiern gesehen, wie konnten sie das schon wissen – es gab sicher eine Koordinierung.“ Salam Abdeslam, einen der Organisatoren der Attacken, habe er im Saal wahrgenommen. Laut den Ermittlungen hat Abdeslam, der am Freitag vor einem französischen Richter aussagte, einen Teil der Täter von Brüssel nach Paris gefahren. Allerdings hat er nicht selber an den Angriffen teilgenommen.

Schon im März hatte Hughes mit Äußerungen zum Ablauf des Anschlags für einen Skandal gesorgt. In einem Interview mit dem TV-Sender Fox sagte er, einige Sicherheitsleute des Bataclan hätten mit den Attentätern „unter eine Decke gesteckt“. Einer habe nachlässig gearbeitet und ihn nicht einmal angesehen. Die Direktion habe den aber nicht abgelöst, obwohl Hughes es verlangt habe. Sechs Aufpasser seien gar nicht zum Dienst erschienen, was ein Beweis für eine Komplizenschaft sei. Die Direktoren des Bataclan hatten daraufhin protestiert, und Hughes zog seine Äußerungen zurück. Sie seien „völlig absurd“ und er entschuldige sich bei allen Beteiltgen sowie den Hinterbliebenen der Opfer dafür. Seit dem Überfall sei er nicht mehr derselbe, gab der Sänger zu verstehen.

Überraschend, dass er nun noch eins draufsetzt. Zwar drängt ihn der Interviewer in die Richtung, mit Suggestivfragen wie „es lässt sich doch nicht leugnen, dass die Ablehnung von Waffen und die Furcht davor, der Islamophobie beschuldigt zu werden (in Paris) zu vielen Toten geführt hat?“ Warum Hughes allerdings drauf voll einsteigt, bleibt sein Geheimnis. Dem Ansehen der eigenen Gruppe hat er damit keinen guten Dienst erwiesen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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