EHEC, H1N1, SARS
Tod durch Hysterie

Erinnern Sie sich noch an BSE? Die Panik um den „Rinderwahnsinn“ trieb mehr Bauern in den Selbstmord, als Menschen an dem Erreger starben. Handelsblatt.com zeigt die Hysterien der Vergangenheit – und ihre Folgen.  
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In den 1980er-Jahren breitete sich unter Nutztieren in Großbritannien der "Rinderwahn" aus, wissenschaftlich BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie). 1996 geriet der in den Verdacht, die für den Menschen lebensgefährliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auszulösen, wenn Menschen Fleisch von erkrankten Rindern essen.

In Großbritannien wurden bis heute 172 Erkrankungsfälle erfasst, in Frankreich 25 Fälle, in Deutschland keiner. Weitere Einzelfälle weltweit traten in der Regel bei Patienten auf, die während der BSE-Epidemie längere Zeit im Vereinigten Königreich lebten. Eine Behandlung gibt es nicht, fast alle Erkrankten sind gestorben.

Anfangs blieb BSE auf Großbritannien beschränkt. Erst im Jahr 2000 wurde auch in Deutschland eher zufällig ein Fall entdeckt: Der Bauer Peter Lorenzen in Schleswig-Holstein hatte freiwillig ein verendetes Tier testen lassen. Bis zum Höhepunkt 2001 wurden lediglich 125 BSE-Fälle bestätigt, seither geht die Zahl stetig zurück, 2008 waren es noch zwei. Dennoch wurde massenhaft getestet. Allein 2006 gab es bei 1,7 Millionen untersuchten Tieren nur 16 nachgewiesene BSE-Fälle.

"Die Hysterie um BSE hat inzwischen weit mehr Menschen umgebracht als der Erreger selbst", kritisiert der Dortmunder Ökonom Walter Krämer. "Allein in England wurden seither über 150 Selbstmorde von Farmern registriert, deren Existenz durch die BSE-Panik vernichtet wurde", sagte er dem Handelsblatt. Unterm Strich habe der Bund mehr als 1,5 Milliarden Euro für das Keulen gesunder Kühe, überflüssige Tests und die Stabilisierung des Rindfleischmarktes ausgegeben, damit hätte man "sämtliche Kinder Afrikas ein Jahr lang gesund ernähren können".

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