Ehec
Spur führt nach Lübeck

Die Ehec-Fahnder haben eine neue Spur aufgenommen: Sie könnte von einem Lübecker Restaurant über die Lieferantenkette zur Ursache führen, hoffen die Behörden. Unterdessen sorgt das Thema zunehmend für Nervosität.
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Auf der Suche nach dem Ursprung der gefährlichen Ehec-Darminfektionen gehen die Behörden Hinweisen auf ein Lübecker Restaurant nach. Wie die „Lübecker Nachrichten“ am Samstag berichteten, erkrankten 17 Menschen aus mehreren Besuchergruppen nach dem Besuch des Lokals. Der Mikrobiologe Werner Solbach sagte der Zeitung, das Restaurant treffe keine Schuld: „Allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist.“ Die schleswig-holsteinischen Behörden erklärten, sie gingen dem Fall nach, wollten aber nicht von einer heißen Spur sprechen. Bislang wurden über 1700 Infektionen registriert. Am stärksten sind Hamburg und Schleswig-Holstein betroffen.

Dem Blatt zufolge besuchten die Erkrankten das Restaurant zwischen dem 12. und dem 14. Mai. „Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Erkrankten um Teilnehmer unterschiedlicher Gruppen handelt“, sagte der Wissenschaftler. Unter den Erkrankten ist auch eine Gruppe der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), wie der Bundesvorsitzende Dieter Ondracek der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte. Demnach infizierten sich acht Mitglieder einer Gruppe, die am 13. Mai das Restaurant besuchte. Vier von ihnen seien schwer erkrankt. Eine 48-Jährige aus Nordrhein-Westfalen sei an der Infektion gestorben, sagte Ondracek. Nach Angaben der Gewerkschaft handelt es sich um eine Funktionärin des Bezirksverbandes Westfalen. Die DSTG vertritt Mitarbeiter der Finanzverwaltung.

Der Besitzer des betroffenen Restaurants „Kartoffel-Keller“, Joachim Berger, sagte der Agentur Reuters, in seinem Restaurant seien keine Erreger festgestellt worden. „Unsere Leute essen ja dasselbe. Und keiner von unseren Mitarbeitern ist krank.“ Sie äßen auch Salate und litten nicht unter Durchfall. Nach seinen Worten bezieht er sein Obst und Gemüse von einem Händler in Mölln in Schleswig-Holstein. Berger sagte, als die Meldung über die Erkrankungen gekommen sei, sei man „wie vor den Kopf geschlagen“ gewesen.

Den „Lübecker Nachrichten“ zufolge erkrankten auch Mitglieder einer dänischen Besuchergruppe. Solbach berichtete zudem von einem Kind aus Süddeutschland, das bei einer Familienfeier ebenfalls in dem Restaurant gewesen sei. „Bislang gab es nur vage Hinweise, wo, wann und was Erkrankte gegessen haben. Hier gibt es erstmals eine Gemeinsamkeit“, sagte der Hygieneexperte, der Professor am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck ist.

Das Verbraucher- und Agrarministerium von Schleswig-Holstein bestätigte den Fall, nicht aber die Zahl der Erkrankten. „Von einer heißen Spur zu sprechen, erschließt sich mir derzeit nicht“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Behörden versuchen nun zu klären, woher das Restaurant seine Ware bezog und ob es Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen gibt. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte auf Anfrage, dass es Untersuchungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) in einem Lokal in Lübeck gegeben habe. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, sagte ein Sprecher.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, der Ausbruch der Epidemie falle womöglich mit dem Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai zusammen. Diese These werde intern beim RKI favorisiert, berichtete das Magazin vorab unter Berufung auf RKI-Kreise. Der zeitliche Abstand zwischen dem Fest und den ersten Erkrankungen im Hamburger Uniklinikum würde dem typischen Verlauf einer Ehec-Erkrankung entsprechen.

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  • Natürlich ein Schlachtfest: für alle, die alles immer schon geahnt haben.

    Hier gehts allerdings nicht mehr um Ahnungen, sondern um Fakten.

    Und die fehlen auf ganzer Linie.

    Weiterarbeiten!

  • Neuesten Informationen zufolge könnten Biogas-Anlagen für die Zucht dieser fürchterlichen Bakterien verantwortlich sein. Der Trester der Anlagen wird teilweise für die Düngung verwendet. Wenn das stimmt, dann gute Nacht. Im Moment hilft nur, alles abzukochen.

  • Zitat:
    Immer neue Thesen zur Entstehung des gefährlichen Darmkeims EHEC werden bekannt. Auch Biogasanlagen kommen in Frage. Denn hier entstehen Bakterien, die es zuvor nicht gab.
    Zitat Ende:
    BIO-Gasanlagen sind eine Brutstätte für neue Bakterienstämme. Hier werden neben Gülle auch Schlachtabfälle verwendet.
    Und bis zu 80 Prozent des Gär-Substrats landen wieder als Düngemittel auf den Feldern.

    Zitat:
    Denn in den Gär-Behältern der Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben hätte. „Sie kreuzen sich und verschmelzen miteinander – was da genau passiert, ist weitgehend unerforscht.“ Diese noch nie da gewesene Mischung aus Krankheitserregern werde dann auf die Äcker gebracht. Bis zu 80 Prozent des Gär-Substrats landen wieder als Düngemittel auf den Feldern.

    Der Labormediziner Schottdorf hält es „deshalb für dringend nötig, dass die Biogasanlagen in Deutschland schnell auf mögliche Krankheitserreger untersucht werden. Sonst droht möglicherweise die Gefahr, dass wir auch in den künftigen Sommern Epidemien mit bekannten oder neuen Erregern erleben werden.“
    Zitat Ende:
    Die Grünlinge versuchen zu beruigen. Das ist doch BIO, und BIO ist gesund! Das kann nicht von den Güllegasanlagen kommen! Das Ehec Bakterium kommt bestimmt von den bösen AKWs!

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