Ehec-Spur
Verdächtiger Samen aus Ägypten an Biohof geliefert

Die möglicherweise für den Ehec-Ausbruch verantwortlichen Bockshornkleesamen aus Ägypten sind auch zu dem immer noch gesperrten Biohof in Bienenbüttel geliefert worden, der als Quelle der Ehec-Verbreitung gilt.
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HannoverÄgyptische Bockshornkleesamen, die als mögliche Auslöser für die Ehec-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich gelten, sind auch an den gesperrten Sprossen-Hof in Bienenbüttel geliefert worden. „Dies geschah über einen Zwischenhändler“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Gert Hahne, am Freitag.

Über die Verbindung berichtete auch das Bielefelder „Westfalen-Blatt“. Aufgrund einer dichten Indizienkette war der Hof südlich von Lüneburg als Ursprung der deutschen Epidemie mit mehr als 40 Toten ausgemacht worden. Die Untersuchungen in dem Bienenbütteler Betrieb seien weitgehend abgeschlossen, sagte Hahne.

Der gefährliche Darmkeim habe bisher nicht nachgewiesen werden können.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsführer des niedersächsischen Biohofes eingeleitet. Eine Sprecherin sagte, es liege eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz vor. Diese werde geprüft.

Drei Mitarbeiterinnen des Hofes hatten sich Anfang Mai wegen Durchfalls krankgemeldet, bei einer Angestellten wurde der Ehec-Erreger nachgewiesen. Unklar ist bisher, ob die Frauen die Sprossen verunreinigt haben oder aber die gefährlichen Bakterien schon in den aus dem Ausland gelieferten Samen steckten. „Die ägyptische Spur verstärkt den Eindruck, dass die Sprossen der Ursprung der Epidemie waren“, sagte Hahne. Der ägyptische Samen war von EU-Behörden, die die Lieferwege untersucht hatten, als möglicher Ursprung der Ehec-Epidemie ausgemacht worden. Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig, hieß es vonseiten der EU-Behörden.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium unterstrich, Gemüseerzeuger könnten eine EU-Entschädigung erhalten, wenn sie seit dem 26. Mai Gurken, Tomaten, Salat, Paprika und Zucchini nicht vermarktet hätten. Für die niedersächsischen Erzeuger ergebe sich eine mögliche EU-Entschädigung von rund 2,5 Millionen Euro.

Am Mittwoch hatten die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erklärt, der für die Ehec-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortliche Erreger sei womöglich aus Nordafrika eingeschleppt worden. Bockshornkleesamen aus Ägypten spielten bei beiden Ausbrüchen eine Rolle.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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