Ein bescheidener Belgier
Porträt: Godfried Danneels

Kardinal Godfried Danneels (71) aus Belgien ist ein ernst zu nehmender Außenseiter, wenn es um die Papstnachfolge geht. Aber ihm werden mitunter gesundheitliche Probleme in der Vergangenheit vorgehalten.

HB BRÜSSEL. Danneels gibt sich bescheiden. „Es gibt noch 116 andere Kandidaten“, antwortete der Flame auf die Frage von Reportern, ob er als Papst nach Belgien zurückkehren werde.

Danneels wurde am 4. Juni 1933 als erstes von sechs Kindern eines flämischen Dorfschullehrers geboren. 20 Jahre nach der Priesterweihe 1957 ernannte Papst Paul VI. ihn zum Bischof von Antwerpen. Seit 1980 leitet der vielsprachige Flame das Erzbistum Mecheln-Brüssel. Am 2. Februar 1983 wurde Danneels zum Kardinal ernannt.

Schon kurz nach Danneels' Amtsantritt als Erzbischof bat Papst Johannes Paul II. ihn, den Leiter einer außerordentlichen Synode in Rom, einen tiefen Zwist zwischen Konservativen und Modernisierern in der katholischen Kirche der Niederlande zu schlichten. Der Vermittler erwarb sich Respekt und Anerkennung in Rom wie in den Niederlanden.

Unmittelbar nach dem Tod von Johannes Paul II. ließ sich Danneels mutig mit einem Zehn-Punkte-Katalog für den neuen Papst vernehmen: Mehr Macht für die lokalen Kirchen, eine Reform der Führungsorgane unter größerer Beteiligung der Frauen sowie mehr Aufmerksamkeit für regionale Unterschiede, die Jugend und ethische Fragen. Viele lasen dies als eine Art Wahlprogramm - prompt reagierte der Vatikan mit einem „Schweigebot“ für alle Teilnehmer des Konklave.

Neben seinen Auslandsreisen - als internationaler Vorsitzender von Pax Christi von 1990 bis 1999 war Danneels häufig in Afrika - kümmert sich der Kardinal nach wie vor um die Seelsorge daheim. Der Abwendung vieler Belgier von der Kirche versucht er unter anderem mit Pastoralbriefen zu Weihnachten und Ostern entgegenzutreten, 1995 erstmals auch in einer Videobotschaft zum Osterfest.

Gegen Danneels werden mitunter gesundheitliche Probleme in der Vergangenheit vorgetragen. Selbst hat er bereits eine Altersgrenze für Päpste ins Gespräch gebracht: „Menschen im Alter von 90 oder 100 Jahren können die Verantwortung nicht mehr tragen und sollten am besten zurücktreten“, zitieren belgische Zeitungen den Kardinal.

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