Ein Jahr nach dem Untergang
Die „Sewol“ lässt Südkorea nicht los

Über eine Entschädigung wollen viele Familien von Opfern des „Sewol“-Fährunglücks nicht sprechen. Für sie ist am ersten Jahrestag die Suche nach der Wahrheit hinter der Katastrophe noch lange nicht abgeschlossen.
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SeoulEin Jahr ist seit dem Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ vergangen, doch für viele Betroffene ist die Zeit seitdem stehengeblieben. „Für mich ist immer noch der 16. April 2014“, sagt Park Eun Mi. Ihre Tochter Huh Da Yun (17) gilt seit der Schiffskatastrophe mit mehr als 300 Toten als vermisst. Von der Regierung fühlt sich die Mutter im Stich gelassen.

Mit anderen betroffenen Familien kämpft die von Krankheit gezeichnete zierliche Frau vor allem dafür, dass das Wrack vor der Südwestküste geborgen wird. Sie glauben, dass die Leichen der neun Vermissten sich noch im Inneren des Schiffes befinden.

Da Yun war eine von 325 Schülern der Danwon-Oberschule in Ansan, die mit der „Sewol“ zu einem Ausflug unterwegs waren. Bei einer Kursänderung geriet das Schiff plötzlich in gefährliche Seitenlage, kippte um und versank innerhalb weniger Stunden komplett.

Als Ursache gilt menschliches Versagen. Von den 476 Menschen an Bord überlebten lediglich 172, darunter die leitenden Crewmitglieder, die sich mit als Erste retten konnten.

Als im November die Bergungsarbeiten an dem gesunkenen Schiff eingestellt wurden, war es für die Familien der Vermissten ein Schock. Die Behörden erklärten, die weitere Suche sei zu gefährlich. Zwei Bergungstaucher waren ums Leben gekommen.

Viele Opfer-Familien werfen Präsidentin Park Geun Hye vor, ihr Versprechen gebrochen zu haben, das fast 7000 Tonnen schwere Schiff vom Meeresgrund heben zu lassen. Die Staatschefin, für die die Tragödie politisch zur großen Belastung wurde, kündigte kürzlich an, eine Bergung des Schiffes doch wieder in Erwägung zu ziehen.

Das Thema wird unter Südkoreanern angesichts der Kosten durchaus kontrovers diskutiert. Nach vorläufigen Schätzungen könnte die Bergung umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro kosten.

Die Tragödie löste landesweit Trauer, aber auch Empörung und Wut aus, sie lässt die Menschen bis heute nicht los. Nach einem Anfang Juli 2014 veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes trugen neben dem Versagen der Besatzung auch Inkompetenz der Behörden, Korruption sowie Geldgier der Reederei zur Katastrophe bei.

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