Ein Jahr nach „Katrina“
Hurrikan „Ernesto“ naht

Böse Erinnerungen werden wach: „Ernesto“, der erste Hurrikan dieser Saison, wird nach Einschätzung von Meteorologen exakt am Jahrestag der „Katrina“-Katastrophe auf die US-Küste stoßen. Kritiker bezweifeln, dass die Dämme dieses Mal halten werden.

HB WASHINGTON. Wahrscheinlich werde „Ernesto“ am Dienstag den Süden Floridas treffen, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami am Sonntag mit. Allerdings hat der Sturm in den vergangenen Tagen bereits mehrmals seinen Kurs geändert. Mit einer vorausgesagten Stärke drei würde „Ernesto“ die gleiche Kraft besitzen wie „Katrina“ am 29. August 2005. „Katrina“ hatte die Südküste der USA verwüstet und mehr als 1 000 Menschen in den Tod gerissen.

Der Hurrikan wurde am Sonntag vom tropischen Sturm zu einem Hurrikan hochgestuft. Das Zentrum des Hurrikans befand sich mit einer Windstärke von bis zu 120 Stundenkilometer auf offener See in der Karibik zwischen Haiti und Jamaika. Den Meteorologen zufolge werde der Wirbelsturm auf seinem Weg durch den Golf von Mexiko mit seinen warmen Gewässern weiter an Stärke gewinnen.

Der Öl-Konzern BP zog nach Angaben des Fernsehsenders NBC wegen „Ernesto“ ein Drittel seiner Arbeiter aus dem Golf von Mexiko ab. Analysten rechnen damit, dass „Ernestos“ Auswirkungen auf Ölpreise und Börsenkurse haben wird.

Die kubanischen Behörden gaben am Sonntag für die östlichen Landesteile der Insel eine erhöhte Sturmwarnung heraus. Nach Angaben des Meteorologischen Zentrums wird erwartet, das „Ernesto“ Anfang der kommenden Woche von Süden über die Insel hinwegfegen wird. Am Sonntagabend lag das Zentrum des Sturms noch rund 300 Kilometer südlich von Guantanamo im Osten Kubas.

Haben die USA aus „Katrina“ gelernt?

„Katrina“ hatte vor einem Jahr riesige Schäden angerichten. Die US-Regierung hat bisher eigenen Angaben zufolge rund 118 Mrd. Dollar (92,5 Mrd. Euro) in die betroffenen Katastrophenregion in New Orleans gelenkt. Das Geld sei unter anderem für den Wiederaufbau und Verstärkung der Dämme, für andere Infrastruktur- Maßnahmen sowie die Schuttbeseitigung und direkte Hilfe für die Betroffenen verwendet worden. Präsident George W. Bush räumte in einer Radioansprache am Wochenende ein, dass die Regierungen des Bundes, der Staaten und der Regionen nicht vorbereitet gewesen seien, „auf dieses außergewöhnliche Desaster zu reagieren“.

Die oppositionellen Demokraten halten Bush vor, nichts aus den Fehlern nach „Katrina“ gelernt zu haben. Nach wie vor gebe es zu wenig Vorsorge im Katastrophenfall. Auch heute funktioniere in New Orleans noch immer die Trinkwasserversorgung oder die Müllbeseitigung nicht ausreichend. Es gebe auch Zweifel, ob diesmal die Dämme bei einer ähnlichen Naturkatastrophe wie „Katrina“ halten würden.

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