Eine Schifffahrt über den Rhein-Herne-Kanal ist eine lehrreiche Reise in Vergangenheit und Zukunft des Ruhrgebiets
Wo Kohle zu Koks wird

Eine Fahrt im Ausflugsschiff MS Rheinperle über den Rhein-Herne-Kanal kann vieles sein. Etwa eine Erholungstour ins Grüne oder eine Reise in Gegenwart und Vergangenheit des Reviers. Information über Warenströme inklusive. Und natürlich auch ein Kolleg über die Globalisierung.

Dazu sollte man sich genügend Zeit nehmen, etwa vier Stunden für 34 Kanalkilometer von Oberhausen nach Henrichenburg, wo ein restauriertes Schiffshebewerk aus Kaisers Zeiten zu besichtigen ist.

Hinein ins Vergnügen: Angler stehen regungslos am Ufer. Spaziergänger rasten auf Bänken. Schleusentore öffnen und schließen sich gemächlich. Zentimeter um Zentimeter steigt oder fällt der Wasserspiegel in den Schleusenkammern. Sein Fallen und Steigen kommentieren die Ausflugsgäste mit Gelassenheit. Radfahrer, selbst die im fortgeschrittenen Alter, überholen mühelos auf dem Uferpfad die MS Rheinperle. Die Menschen an Bord erreichen schnell den Zustand der Entschleunigung.

Wer jetzt zynisch sein wollte, würde sagen: Damit gleichen sich die 109 Passagiere vielen Menschen, die in dieser Gegend leben, in gewisser Weise an. Gelsenkirchen etwa mit seinen rund 20 Prozent Arbeitslosen, die Zeit satt haben, wie man hier sagt - zahllose Arbeitnehmer in den besten Jahren, welche die schrumpfende Ruhrindustrie in den Vorruhestand geschickt hat. Sie nutzen ihre verordnete Freizeit und sitzen auf den Fahrrädern, mit denen sie routiniert und offenbar gut trainiert an uns vorbeiziehen.

Hier in der Emscherregion hat man Zeit, hier gibt es die nötige Infrastruktur: Über 90 Prozent der Ufer am Kanal sind wanderbar. Zu Fuß, joggend, walkend, marschierend oder rollend per Drahtesel. Es geht durch grüne Landschaften. Bäume und Sträucher spenden Schatten. Brombeeren ranken.

Ab und an gibt es zaghafte Ansätze, ein Strandleben zu imitieren: Man nehme ein paar Schippen Sand, zwei drei Strandkörbe, und fertig ist das Idyll à la Monkey Island im Düsseldorfer Hafen - bloß nicht so hochgestochen wie dort. Das Wasser im Kanal ist klar und sauber: Es hat beinahe Trinkwasserqualität, man kann stellenweise bis zu drei Meter tief nach unten schauen, erklärt Kapitän Rolf Karmineke am Ruder.

Die Angler sagen dazu: Der Kanal ist "fängig". Sie stellen Aal und Zander, Karpfen, Brassen, Rotaugen und Rotfedern nach. Wem Petri Heil besonders winkt, der hat auch schon mal eine Regenbogenforelle am Haken. Aber damit alles seine Ordnung hat: Höchstens zwei Angelruten sind erlaubt, bis zu drei Karpfen dürfen gefangen werden. So lautet das Reglement.

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