Eine Stunde weniger Schlaf
Sommerzeit lässt Uhren anders ticken

Mit dem Beginn der Sommerzeit werden in der Nacht zum Sonntag in allen EU-Ländern die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Während sich die Menschen darüber freuen, dass es abends länger hell bleibt, warnen Experten vor dem Schlafdefizit von einer Stunde.

HB DÜSSELDORF. Nachtschwärmer oder Langschläfer müssen auf eine Stunde verzichten, wenn die Zeiger von 2.00 auf 3.00 Uhr gestellt werden. Damit bleibt es abends länger hell, morgens ist es dafür aber zu vorgerückter Uhrzeit noch dunkel. Seit 26 Jahren werden die Uhren nun schon am letzten Wochenende im März von der normalen Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit umgestellt. Die fehlende Stunde gibt es am 29. Oktober wieder zurück. Dann endet die Sommerzeit.

Seit Einführung der Sommerzeit wird über Sinn oder Unsinn diskutiert. Die Gegner führen unter anderem höhere Heizkosten am Morgen, erhöhte Benzinkosten durch motorisierte Kurzausflüge am Abend und negative Auswirkungen durch den veränderten Lebensrhythmus ins Feld. Auch im 27. Jahr der Sommerzeit berufen sich die Befürworter auf vermeintliche Stromeinsparungen und eine zusätzliche Stunde im Biergarten.

In Deutschland wurde der Wechsel von Sommer- und Winterzeit 1980 verordnet, um Energie zu sparen und das Tageslicht besser zu nutzen. Grundlage war das Zeitgesetz von 1978, das die Bundesregierung „ermächtigt, zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige benachbarter Staaten“ die Sommerzeit einzuführen. Uhrumstellungen hatte es jedoch bereits 1916 bis 1918 und 1940 bis 1949 gegeben. 1947 gab es sogar eine Hochsommerzeit, bei der die Uhren statt einer gleich zwei Stunden vorgestellt wurden.

Das Schlafdefizit von einer Stunde bleibt nach Ansicht von Experten für den Menschen nicht ohne Folgen: Bei der Umstellung gerät der Biorhythmus durcheinander, wie die Techniker Krankenkasse erklärte. Besonders Babys und Kleinkinder hätten darunter zu leiden. Schlafstörungen und Appetitlosigkeit könnten die Folge sein. Mit wenig Aufwand seien die Beschwerden für die meisten Menschen aber zu vermeiden: Wer kann, schläft die ersten Tage nach der Zeitumstellung eine Stunde länger als sonst. Außerdem sollten diejenigen, die normalerweise Mittagsschlaf halten, eine Woche lang darauf verzichten.

Der Erfurter Neuropsychologen Hartmut Schulz warnt jedoch auch vor einer Überbewertung der körperlichen Belastung. „Eine Zeitverschiebung von einer Stunde ist für die allermeisten Menschen überhaupt kein Problem und leicht zu verkraften“, sagte der Leiter der Abteilung Neuropsychologie und Schlafmedizin am Helios-Klinikum Erfurt.

„Der technische Aufwand der Zeitumstellung ist viel größer als die vermeintlichen körperlichen Auswirkungen, wenn man nur an die Umstellung der Zugfahrpläne denkt“, sagte Schulz. Im Frühjahr stelle sich der Körper mit der längeren Sonnenscheindauer und den heller werdenden Tagen ohnehin auf einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus um. Verantwortlich dafür sei das körpereigene Hormon Melatonin, das diesen Rhythmus steuert und bei Dunkelheit ausgeschüttet wird. „Die biologische Uhr tickt also unabhängig von der Formalie Sommerzeit sowieso bereits anders.“

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