Eine Tote und 77 Verletzte: Schienendefekt womöglich am Zugunglück Schuld

Eine Tote und 77 Verletzte
Schienendefekt womöglich am Zugunglück Schuld

Nach dem schweren Zugunglück in Großbritannien ist am Sonntag landesweit die Sicherheit des Schienennetzes überprüft worden. Ermittler vermuten, dass lose Schrauben an Weichen möglicherweise den Unfall verursachten, bei dem am Freitagabend eine Frau starb und fünf weitere Menschen schwer verletzt wurden.



HB LONDON. Nach dem Unglück am Freitagabend konzentrieren sich die Ermittlungen weiter auf die Weichen, berichtete die BBC am Sonntag. Ein Bahnexperte sagte, ihm sei von möglicherweise losen Schrauben an den Weichen berichtet worden, die der Zug kurz vor dem Unfall passiert hatte. Zudem sollen im Laufe des Sonntags alle der rund 700 Weichen im gesamten Streckennetz überprüft werden. Die Weichen an der Unglücksstelle im Nordwesten Englands sollen erst in der vergangenen Woche gewartet worden sein.

Der Neigetechnik-Zug war mit mehr als 120 Passagieren und mehreren Zugbegleitern auf dem Weg von London ins schottische Glasgow, als er in der Nähe von Kendal in der Grafschaft Cumbria entgleiste. Mehrere Wagen des Pendolino-Zuges stürzten eine Böschung hinunter. 22 Menschen kamen in ein Krankenhaus, acht davon mit schweren Verletzungen.

Bahnexperten zufolge sorgten unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen im Pendolino dafür, dass nicht mehr Tote zu beklagen waren. An Bord des Zuges waren nach Angaben der Rettungskräfte etwa 180 Passagiere. Der Pendolino wurde in Italien von Fiat Ferroviaria entwickelt, die im Jahr 2000 an die französische Alstom ging.

Der Gründer des privaten Bahnunternehmens Virgin Trains, Richard Branson, sagte, die Wagen und sogar die meisten Fensterscheiben seien ganz geblieben. Der Pendolino sei „wie ein Panzer gebaut“. Hätte es sich nicht um ein neues Modell aus dem Jahr 2003 gehandelt, hätte es wesentlich mehr Tote und Verletzte gegeben. Der Lokführer habe versucht, den Zug auf den Schienen zu halten, und habe den Führerraum nicht verlassen. Der Mann habe schwere Verletzungen im Nacken erlitten. „Er ist definitiv ein Held“, sagte Branson.

Nach Angaben von Virgin Trains war der Pendolino zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 21.10 Uhr (MEZ) mit einer Geschwindigkeit von 153 Kilometern pro Stunde unterwegs. Möglich sind bis zu 200 Stundenkilometer. Reisende berichteten, der Zug sei offenbar gegen einen Gegenstand geprallt und habe dann dramatisch geschwankt. Das Unternehmen Network Rail, das den Gleiskörper betreibt, erklärte am Sonntag, es seien bereits 700 Schaltanlagen zur Weichenstellung überprüft worden. Erste Ergebnisse würden am (morgigen) Montag mitgeteilt.

Mehrere Zugunglücke haben in den vergangenen Jahren eine Debatte über die Sicherheit im britischen Schienenverkehr ausgelöst. Das schwerste Bahnunglück seit 25 Jahren ereignete sich im Oktober 1999, als ein aus dem Londoner Bahnhof Paddington ausfahrender Zug gegen einen einfahrenden Schnellzug prallte. Damals kamen 31 Menschen ums Leben, etwa 400 wurden verletzt.

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