Eingeständnis des Betreibers
Unglücks-Airbus von São Paulo flog mit defekter Turbine

Die brasilianische Fluggesellschaft Tam, die den Unglücks-Airbus von São Paulo betrieb, hat technische Probleme an dem Airbus A320 eingeräumt. Der Umkehrschub an einem der beiden Triebwerke habe nicht richtig gearbeitet - also die eingebaute Bremse des Flugzeugs für die Landung.

HB SAO PAULO. Tam-Technikchef Ruy Amparo räumte ein, das Problem am rechten Triebwerk sei schon am Freitag der vergangenen Woche entdeckt worden. Die Maschine sei allerdings weiter eingesetzt worden, weil das laut Airbus-Handbuch bis zu zehn Tage nach Entdeckung des Defekts möglich sei.

Tam versicherte, der Umkehrschub-Mechanismus könne beim Auftreten von Problemen an einem Triebwerk ausgeschaltet werden. Nur bei sehr starkem Regen könne solch ein Problem das Landemanöver beeinträchtigen. Der Fernsehsender „Globo“ berichtete allerdings, dass die Unglücksmaschine genau einen Tag vor dem Unfall bereits Probleme bei der Landung auf dem Flughafen Congonhas gehabt habe. Der Pilot habe sich darüber beklagt, dass Piste „sehr rutschig“ gewesen sei. Die Landepiste auf dem Flughafen ist lediglich 1 435 Meter lang: Zum Vergleich: Die drei Pisten des Frankfurter Flughafens messen je 4 000 Meter.

Die Tam-Maschine war am Dienstag mitten in der Millionenmetropole bei der Landung über die regennasse Landebahn von Congonhas hinausgeschossen. Anschließend rutschte der Airbus über Hauptstraße und raste in eine Tankstelle und ein Geschäftsgebäude. Das Flugzeug und mehrere Häuser gingen in Flammen auf. Nach Schätzung der Feuerwehr kamen bei dem Unfall rund 200 Menschen an Bord und am Boden ums Leben. Bis zum späten Donnerstagabend waren am Unfallort 184 Leichen geborgen worden. Vier weitere Opfer erlagen in Krankenhäusern ihren Verletzungen. Die Feuerwehr will die Bergungsarbeiten am Freitag beenden.

Die Staatsanwaltschaft forderte in Brasilien die Schließung des Flughafens Congonhas so lange, „bis einwandfreie Sicherheitsbedingungen bestätigt“ seien. Nach Angaben der Behörden werden die Untersuchungen zur Ermittlung der Unfallursache vermutlich zehn Monate in Anspruch nehmen. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva teilte unterdessen in Brasilia mit, er werde am Freitag eine Fernsehrede halten und Maßnahmen für den Luftverkehrssektor bekannt geben.

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