Eingriff dauert mindestens 48 Stunden
Operation Siamesischer Zwillinge in kritischer Phase

Eine bislang beispiellose Operation von zwei am Kopf zusammengewachsenen erwachsenen Siamesischen Zwillingen in Singapur ist am Sonntag wenige Stunden nach Beginn des Eingriffs in eine kritische Phase eingetreten. Die Ärzte versuchten ein wichtiges Blutgefäß zu trennen, das die Gehirne der beiden Frauen versorgt.

Reuters SINGAPUR. Die Operation der 29 Jahre alten iranischen Schwestern Laleh und Ladan Bidschani sollte voraussichtlich mindestens 48 Stunden dauern. Die Operation hatte nach Angaben von Ärzten um 6.00 Uhr mit der Entfernung einer Vene aus dem rechten Bein Ladans begonnen. Die Ärzte benötigen die Vene, um ein neues Blutgefäß für eine der beiden Schwestern zu schaffen, bevor die beiden Schädel voneinander getrennt werden können. Dieser Teil der Operation werde voraussichtlich gegen Mitternacht beginnen und zwölf Stunden dauern.

„Das ist möglicherweise einer der kritischsten Aspekte der Operation. Wie wir schon zuvor erklärt haben, ist das gemeinsame Blutgefäß die Schlüsselkomponente der Operation von Laleh und Ladan“, sagte Krankenhaussprecher Prem Kumar Nair. „Wir haben bisher keine Probleme gehabt, aber ich rechne damit, dass die nächsten zwölf bis 14 Stunden eine kritische Phase darstellen, in der wir möglicherweise einige Schwierigkeiten überwinden müssen“, sagte er vor der Presse und besorgten iranischen Freunden vor dem Krankenhaus.

Beide Frauen seien zuversichtlich in die Operation gegangen, hatte das Raffles-Krankenhaus zuvor mitgeteilt. Die Trennung der Schwestern ist nach Angaben der Ärzte möglich, weil sie zwei separate Gehirne haben. Zwar ist es in der Vergangenheit wiederholt gelungen, Siamesische Zwillinge im Säuglingsalter zu trennen, doch gab es nach Angaben von Experten bislang keine Operation dieser Art an Erwachsenen. Deutsche Ärzte hatten die Schwestern 1996 fortgeschickt, weil nach ihrer Einschätzung eine Trennung fatale Folgen haben könnte.

„Die Zwillinge waren guten Mutes, sie lachten und scherzten mit Freunden als sie aus der Radiologie gefahren wurden“, sagte Nair. Zwar hätten beide Frauen vorgehabt, zu Fuß in den Operationssaal zu gehen, von den Operationsvorbereitungen seien sie jedoch so geschwächt gewesen, dass man sie gefahren habe.

Seit November haben Laleh und Ladan Bidschani umfangreiche Untersuchungen über sich ergehen lassen. Beide haben erklärt, sie wollten getrennt werden und seien sich des Risikos der Operation bewusst. „Wir haben jeden Tag für unsere Operation gebetet“, hieß es in einer am Vortag veröffentlichten Erklärung der Frauen. „Wir haben beide diese Reise gemeinsam angetreten und wir hoffen, dass uns die Operation ans Ende dieses schwierigen Weges bringen wird und wir unser neues und wundervolles Leben als zwei getrennte Personen beginnen können.“

In einer von der iranischen Nachrichtenagentur Irna verbreiteten Botschaft sagte der iranische Präsident Mohammad Chatami, er bete für die Zwillinge und wünsche ihnen Erfolg: „Ich möchte die lieben und geduldigen Laleh und Ladan sehr bald gesund und fröhlich unter uns sehen und ich bin sicher, dass die Gebete des iranischen Volkes zum Erfolg der Operation beitragen.“

Das Ärzteteam wird von Neurochirurg Keith Goh geleitet, der im April 2001 an der erfolgreichen Trennung eines elf Monate alten Siamesischen Zwillingspaars mitgewirkt hatte. Ebenfalls beteiligt ist Neurchirurg Ben Carson vom Johns-Hopkins- Krankenhaus in Baltimore. Er trennte 1987 zwei am Kopf zusammengewachsene Jungen in Deutschland und 1997 zwei sechs Monate alte Mädchen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%