Einschleppung der Vogelgrippe nicht ausgeschlossen
Die Wildgänse kommen

Zu Zehntausenden ziehen derzeit Wildgänse aus dem Großraum Moskau in Richtung Westeuropa. Nach Experten-Aussagen ist daher davon auszugehen, dass auch potenziell infizierte Vögel nach Deutschland einfliegen. Der Verdacht auf Vogelgrippe in Baden-Württemberg und Griechenland hat sich unterdessen zunächst nicht bestätigt.

HB RIEMS/HIDDENSEE. Der Vogelzug der Saat- und Blessgänse erlebe momentan seinen Höhepunkt, sagte der Leiter der Beringungszentrale Hiddensee, Ulrich Köppen, am Donnerstag. Die Beringungszentrale arbeitet fachberatend für das Bundesinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald und ist eine Einrichtung, die gemeinsam von den fünf ostdeutschen Bundesländern betrieben wird. „Wenn Wildvögel tatsächlich die Überträger des gefährlichen H5N1-Virus sind, dann geht derzeit von den Gänsen die größte Gefahr aus.“ In einem Dorf südlich von Moskau war am Mittwoch das Vogelgrippe-Virus H5N1 bestätigt worden.

Es sei davon auszugehen, dass potenziell infizierte Vögel aus der Region Moskau nach Deutschland und in die EU einfliegen, berichtet zudem das Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Ostseeinsel Riems in einer am Donnerstag veröffentlichten Risikobewertung. Eine Übertragung des hochgefährlichen Erregers über den Vogelzug sei nach Ausbrüchen in der Türkei und Rumänien nahe liegend beziehungsweise anzunehmen. Das Institut hatte nach der Bestätigung der ersten Vogelgrippe-Fälle bei Moskau am Mittwoch die Bewertung aktualisiert. Das Einschleppungsrisiko durch Zugvögel wird nun als „mäßig bis hoch“ eingeschätzt.

„Die Gänse, die im Frühherbst in Russland rasten, ziehen derzeit nach Westen, bis sie ausreichend Nahrung finden“, sagte Köppen. In Abhängigkeit von der Wetterlage suchten sich die Tiere ihre Winterquartiere traditionell in der norddeutschen Tiefebene. „In den letzten zehn Jahren haben wir aber auch zunehmend beobachtet, dass die Gänse verstärkt im mitteldeutschen Raum, in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen, rasten und überwintern.“ In besonders strengen Wintern fliegen sie weiter bis nach Westeuropa, wie Köppen sagte. Neben den Gänsen seien noch vereinzelt Wildenten, wie Reiher-, Krick- oder Pfeifenten, aus dem potenziellen Gefahrengebiet unterwegs.

Jedes Jahr zögen zudem einige Millionen Sing- und Greifvögel, wie Stare, Saatkrähen oder Sperber von Russland nach Deutschland. Diese stammten aus dem Großraum zwischen dem Schwarzen und dem Nordmeer. Der Herbstzug dieser Vogelarten sei zwar in der zweiten Oktoberhälfte nahezu abgeschlossen. „Wir können aber immer noch mit Nachzüglern rechnen“, sagte Köppen.

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