Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Gutachten wies offenbar auf Fehler beim U-Bahn-Bau hin

Laut einem Medienbericht haben Experten bereits vor fünf Jahren die Arbeiten beim Kölner U-Bahn-Bau bemängelt, die nun für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs verantwortlich gemacht werden. Obwohl sowohl Rettungs- als auch Leichenhunde mehrfach angeschlagen haben, blieb die Suche nach den noch zwei Vermissten bisher erfolglos.

HB HAMBURG/KÖLN. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet in seiner neuen Ausgabe über ein Gutachten, das 2004 erstellt wurde, nachdem in der Nähe der späteren Unglücksstelle ein Kirchturm abgesackt war.

In dem 90-seitigen Papier des Wülfrather Ingenieurbüros Zorn wurde demnach kritisiert, dass der "Stützdruck" beim Bau eines Versorgungstunnels zu niedrig gewesen sei, um die unterirdische Bohrstelle ausreichend zu stabilisieren. Neu gegrabene Abschnitte seien nicht immer sofort mit einem schnellhärtenden Ring aus Bentonit umschlossen worden. Beim Führen der Maschinen seien "bedienungsbedingte vermeidbare Auflockerungen und Hohlraumbildungen" im Erdreich unter der Kölner Südstadt entstanden, heißt es weiter.

Die Bauarbeiten zur Erweiterung der U-Bahn gelten als wahrscheinlichste Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs am vergangenen Dienstag.

Die seit Freitag laufende Suche nach den beiden Vermissten an der Kölner Einsturzstelle des Historischen Stadtarchivs ist bisher erfolglos geblieben. „Wir haben im Moment keinerlei Hinweise, wo die Personen sich aufhalten könnten“, sagte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff am Samstag bei einer Pressekonferenz. Die Spürhunde – sowohl Rettungshunde als auch Leichenhunde – hätten zwar mehrmals angeschlagen, aber an den jeweiligen Stellen sei nichts gefunden worden.

Die Suche hatte aus Sicherheitsgründen erst drei Tage nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs und Teilen der zwei Nachbarhäuser begonnen. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass es in dem Trümmerberg "mit Sicherheit" Hohlräume gibt. Die Überlebenschancen der vermissten 17 und 24 Jahre alten Männer werden aber als äußerst gering eingeschätzt. Die beiden hatten im Dachgeschoss eines ebenfalls eingestürzten Nachbargebäudes des völlig zerstörten Stadtarchivs gewohnt.

Inzwischen gab es einen weiteren Zeitungsbericht über einen Zusammenhang zwischen dem Häusereinsturz und dem U-Bahn-Bau in Köln. Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" könnte konkret das Abpumpen des Grundwassers in dem U-Bahn-Schacht das Unglück ausgelöst haben. Dem Bericht zufolge sollen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und die Baufirmen seit längerem von ernsten Problemen bei der Grundwasser-Ableitung an der Baustelle gewusst haben.

In einem Brunnen in der Nähe des Stadtarchivs ließ sich demnach der Wasserspiegel nicht senken. Wie es hieß, könnte das ständige Abpumpen des Grundwassers mit großer Leistung Sand und andere Erdteilchen weggeschwemmt haben. So könnten sich wiederum Hohlräume gebildet und nach und nach vergrößert haben.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe haben ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren beantragt. Zudem hat das Unternehmen einen eigenen Gutachter bestellt. Ingenieure sollten überdies untersuchen, ob der U-Bahn-Bau gefahrlos weitergeführt werden kann.

Die Stadt teilte mit, in der Nacht zu Samstag seien weitere Archivalien geborgen worden. Teilweise seien diese komplett erhalten. Teile des "Preußischen Tores" neben dem Friedrich-Wilhelm Gymnasium würden wegen akuter Standunsicherheit durch nachrutschende Schuttmassen komplett abgetragen. Benachbarte Wohn- und Geschäftsgebäude am Georgsplatz werden wieder mit Strom, Wasser und Gas versorgt und sind wieder bewohnbar. Die Bewohner eines benachbarten Altenheimes können ebenfalls wieder ihre Räume beziehen.

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