Einweisung in die Psychatrie
Lebenslange Haft für Mord an Peggy

Im Prozess um das Verschwinden der neunjährigen Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg hat das Landgericht Hof am Freitag den Angeklagten wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

HB HOF/SAALE. Die Jugendkammer befand den 26-jährigen geistig Behinderten nach einem sechsmonatigen Indizienprozess am Freitag für schuldig, Peggy am 7. Mai 2001 erwürgt zu haben, um eine Vergewaltigung zu vertuschen. Der Vorsitzende Richter Georg Hornig sagte, man sei überzeugt, dass der Mann aus der Nachbarschaft den Mord begangen habe, auch wenn er mit einem Intelligenzquotienten von nur 67 geistig behindert sei und Peggys Leiche nie gefunden wurde. Das Gericht ordnete außerdem an, den Angeklagten in eine psychiatrische Anstalt einzuweisen, weil er weitere Taten begehen könne.

Die Richter folgten damit dem Antrag der Anklage. Die Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert und kündigten nach dem Urteil Revision an. Nicht belangt wurde der junge Mann für 12 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der Kleinstadt im Nordosten Bayerns. Er habe die Taten zwar begangen, aber nicht schuldfähig gehandelt, sagte Hornig. Peggys Mutter verließ nach dem Urteil weinend das Gericht.

KEINE LEICHE, SPUREN ODER ZEUGEN

„Der Angeklagte hatte das passende Motiv“, sagte Hornig in seiner anderthalbstündigen Urteilsbegründung. Der Gastwirtsohn habe Peggy erwürgt, weil er Angst bekommen habe, sie könne eine Vergewaltigung vier Tage zuvor verraten. Eigentlich habe er sich nur entschuldigen wollen. Als Peggy davon gelaufen sei, habe er das schreiende Mädchen erwürgt, sagte Hornig, der das widerrufene Geständnis glaubwürdig nannte. Er habe Details genannt, die man sich kaum ausdenken könne - etwa wie Peggy an einem Treppenabsatz stolperte oder er ihr den Mund zu hielt. Das Gericht hatte sich dazu das Videoaufzeichnung der Vernehmung angesehen.

Der Fall Peggy hatte für Aufsehen gesorgt, weil die Anklage nur auf einem Geständnis basierte, das der Behinderte erst ein Jahr nach Peggys Verschwinden machte und mehrfach widerrief. Trotz jahrelanger Ermittlungen fanden mehrere Sonderkommissionen weder ihre Leiche noch Spuren oder Zeugen. Selbst der Einsatz von Wärmebildkameras in Bundeswehr-Tornados brachte die Ermittler nicht weiter. In Lichtenberg äußerten Bewohner zudem Zweifel, dass der Hilfskellner der Täter sei. Auch rissen angebliche Zeugenberichte nicht ab, Peggy sei noch andernorts gesehen worden - zuletzt in der Türkei.

„Die Kammer ist überzeugt, dass er die Tat begangen hat“, wies Hornig alle Zweifel zurück. Eine Schuldunfähigkeit komme nicht in Frage, weil der Mann nach einem Gutachten trotz seiner Behinderung gewusst habe, dass man nicht töten dürfe. Der Richter bestritt auch Vorwürfe, die Polizei habe unzulässige Vernehmungsmethoden angewandt. Das Verfahren war im November neu aufgerollt worden. Der erste Prozess war geplatzt, weil eine nur als Ersatz bestellte Schöffin an der Hauptverhandlung mitgewirkt hatte.

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