Eizellenspenden
Blonde Studentinnen bevorzugt

Gesucht: Gesunde athletische Frauen unter 29 mit hervorragenden College-Testergebnissen. 10 000 Dollar Lohn. So ungefähr lautet eine von zahllosen Kleinanzeigen, mit denen Studentinnen in den USA geradezu überschüttet werden. Eigentlich geht es dabei gar nicht um die Frauen selbst, sondern um ihre Eizellen.

HB WASHINGTON. Man findet die Anzeigen in Studentenblättern, am Schwarzen Brett, im Internet, nicht zu Hunderten, sondern zu Tausenden. Bei Craigslist, dem weltgrößten Internet- Kleinanzeigenmarkt, allein sind es pro Tag durchschnittlich 150, und das Echo vor allem bei jungen Studierenden ist riesig.

Auf dem Campus blüht das Geschäft - mit Eizellenspenden. Kinderlose Paare mit Fortpflanzungsproblemen wenden sich an Spender- Agenturen, die dann nach geeigneten jungen Frauen suchen. Nach Schätzungen sind mittlerweile etwa 75 Prozent aller Eizellen- Spenderinnen in den USA Studentinnen, und das nicht von ungefähr: Sie sind jung, fit, intelligent und können das Geld gut gebrauchen, etwa zur Rückzahlung von Studentendarlehen, die oft in die Zehntausende gehen.

Agenturen mit Namen wie „A Perfect Match“ (etwa „Ein perfektes Zusammenpassen“) oder „Dream Donations“ („Traumspenden“), die von den Eltern in spe durchschnittlich 5000 Dollar für ihre Vermittlungsdienste kassieren, konzentrieren sich daher hauptsächlich auf den Uni-Markt, der sich zunehmend als wahre Goldgrube entpuppt. Schließlich haben nach Berechnungen der US-Gesundheitsbehörde CDC etwa sechs Mill. Menschen im Land Probleme mit der Fruchtbarkeit. Für viele sind Spenden von Eizellen und eine Befruchtung im Reagenzglas die einzige Chance, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Nach Schätzungen ist der Eizellen-Handel mittlerweile zu einem jährlichen 40-Millionen-Dollar-Geschäft angewachsen - ein „globaler Basar“, wie die Zeitung „USA Today“ kürzlich anmerkte. Weil nämlich viele Staaten das Bezahlen von Eizellenspenden strikt verbieten, wenden sich auch immer häufiger ausländische Paare an die mittlerweile über 100 US-Vermittlungsagenturen.

Auch die amerikanischen Studentinnen werden offiziell nicht für ihre Spenden entlohnt, da Eizellen als Körperteile gelten, und deren Verkauf ist in den USA illegal. Entlohnt werden sie für ihren „Service“: Das heißt, sie erhalten eine Art Aufwandsentschädigung für die Arztbesuche und eine „Kompensation“ dafür, dass sie sich selbst stimulierende Medikamente spritzen sowie zahlreiche Untersuchungen und schließlich die Eizellenentnahme unter leichter Narkose absolvieren. „Das ist für eine 20- oder 21-jährige Frau relativ leicht und schnell zu verdienendes Geld“, zitiert der US-Sender CBS Wirtschaftsprofessorin Debora Spar von der Harvard-Universität.

Die Paare selbst bestimmen, wie viel sie einer Spenderin zahlen. Dabei gilt oft: Je attraktiver und intelligenter die jungen Frauen, desto höher die Entlohnung für den „Service“. Bis zu 50 000 Dollar (etwa 39 000 Euro) können es in Einzelfällen werden, wenn eine Studentin Traumvoraussetzungen erfüllt: Langbeinig, blauäugig und blond etwa - vorausgesetzt, der Schopf sitzt auf einem klugen Kopf. Auch asiatische Frauen als Spenderinnen sind besonders begehrt, denn ihr Bevölkerungsanteil ist relativ gering.

Ein Paar bot unlängst via Craigslist 10 000 Dollar für Eispenden von bis zu 25 Jahre alten Frauen an, bevorzugt hoch gewachsen und - ein Muss - „hoch intelligent“. Weiter hieß es in der Kleinanzeige: „Ideal wäre es, wenn die Spenderin über künstlerische Fähigkeiten verfügte, da die künftige Mutter eine talentierte Malerin und Klavierspielerin ist.“

Ein maßgeschneidertes Baby? Das bringt nicht nur Kritiker wie Spar auf den Plan, die in einem neuen Buch („The Baby Business“) den „Verkauf von Kindern“ anprangert und striktere Regulierungen fordert. Die American Society of Reproductive Medicine (ASRM), eine hauptsächlich aus Reproduktiv-Ärzten bestehende Vereinigung, spricht sich zumindest für eine Begrenzung der Eispenden-Entlohnung aus. 5000 Dollar, so lautet ihre Empfehlung, „bedürfen einer Rechtfertigung, Summen über 10 000 gehen über das Angemessene hinaus“.

„Wir verkaufen keine Kinder. Wir helfen, Familien zu schaffen“, verteidigen sich die „Perfect-Match“-Betreiber Tom und Darlene Pinkerton. Kritiker warfen ihnen nach einer Schlagzeilen erregenden Suche nach schlanken, langbeinigen und blonden Spenderinnen (50 000 Dollar Lohn) vor, sie würden im Stil der Nazis eine „Spitzenrasse“ schaffen wollen. Und wie sehen es die Spenderinnen selbst? Lena, die in New Jersey studiert, spricht für viele. „Ich gebe keine Kinder weg. Ich gebe meine DNA“, sagt sie. „Wenn ich anderen damit helfen und zugleich Geld verdienen kann, was ist falsch daran?“

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