Eklat im Prozess im Oslo-Attentäter
„Ich würde es wieder tun“

Im Prozess gegen den Attentäter Breivik ist es am Morgen zum Eklat gekommen. Ein Schöffe hatte die Todesstrafe gefordert, das Gericht setzte den Mann ab. Breivik brüstet sich mit seiner Tat: „Ich würde es wieder tun.“
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OsloEin Laienrichter im Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Breivik ist am Morgen ausgetauscht worden. Nach einer einstündigen Beratung hat ihn das Gericht am Dienstag für befangen erklärt. Grund ist seine öffentliche Reaktion nach den Terroranschlägen im vergangenen Juli.

Der 33-Jährige Thomas Indreboe aus Oslo hatte nach der Tat Breiviks im vergangenen Juli auf seinem Facebook-Profil und als Kommentar unter Online-Zeitungsartikeln für Breivik die Todesstrafe als einzig gerechte Strafe gefordert.

Die ganze Nacht über hatte die Polizei laut dem „Spiegel“ in Oslo geprüft, ob der Schöffe tatsächlich hinter den Einträgen steckt, die sich unter anderem unter einem Artikel der Zeitung „VG“ fanden. Die zugehörige E-Mail-Adresse habe ihm „Vepsen“-Recherchen zufolge zugeordnet werden können, außerdem sein dort verwendetes Porträtfoto. Am Morgen gab der Schöffe zu, das er hinter den Forderungen nach der Todesstraße stecke.

In dem Eintrag schreibt die Person unter einem Pseudonym: „Die Todesstrafe ist die einzige gerechte Sache in diesem Fall!!!!!!!!!“. Das norwegische Rechtssystem sieht keine Todesstrafe vor. Der Fortgang des Prozesses dürfte dadurch aber nicht in Gefahr sein.

Das hatte vorab die norwegische anti-rassistischen Internet-Zeitschrift „Vepsen“ berichtet. Die Richterin Wenche Elizabeth Arntzen bestätigte den Bericht. Breiviks Verteidiger, die Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten am Morgen des zweiten Verhandlungstages gefordert, den Schöffen auszutauschen.

Damit sei „das Vertrauen in ihn als Richter“ geschwächt, sagte die vorsitzende Richterin. Man erkenne an, dass nach den Attentaten im Sommer viele auf vielen Medien ihre Meinung zum Ausdruck gebracht hätten. Doch um Zweifel an der Unabhängigkeit des Gerichts zu vermeiden, werde der Schöffe entlassen. Für den Rezeptionisten stehen zwei Laienrichter als Ersatz bereit. Insgesamt gibt es in dem Verfahren zwei Berufs- und drei Laienrichter.

Die Richter des Gerichts in Oslo erlaubten dem 33-Jährigen Breivik im Anschluss, eine 30-minütige Erklärung zu verlesen. Dieser sagte zunächst, dass er aus Rücksicht auf die Opfer seine Rhetorik abgeschwächt habe, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP aus dem Gerichtssaal berichtete.

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  • Sehe ich nicht so - im Gegenteil.

    Es ist eher eine Frage, worauf der Fokus gelenkt wird. Heute ließ sich z.B. trefflich über die offenbar hervorragende Arbeit der Staatsanwältin berichten, die einen Selbstbetrug nach dem anderen entblößte - wenn darüber _nicht_ berichtet würde, würden am Ende nur dieses Pamphlet und seine Taten stehen, und nicht das armseelige Würstchen, als das er sich entpuppt.

    Es liegt in der Verantwortung der Medien, wie damit umgegangen wird.

  • Respekt nötigt einem der Umgang der mit dieser Causa befaßten Juristen allemal ab.
    Bedenkt man, was hierzulande los wäre, liefe der Lnychmob, siehe Emden, los, um "Recht" zu sprechen, kann die Leistung der norwegischen Justiz nicht hoch genug geschätzt werden.
    Was in Norwegen erkannt wurde, die Motive dieses Massenmörders juristisch herauszuarbeiten, um Klarheit zu erlangen, wie Selbstrechtfertigungen von Massenmördern aussehen gegenwärtig, kann man nur Respekt vor einer hochentwickelten Zivilisation empfinden, wie sie Norwegen ganz offenkundig hervorgebracht hat.

    Das hat man in Norwegen allerdings ebenso begriffen, wie anderswo in Europa auch.

    So unverständlich und nicht nachvollziehbar die ganze Causa auch erscheinen mag: so abstrus die Begründungen eines Massenmörders auch erscheinen müssen, sie gehören rechtstaatlich verhandelt.

    Alles andere wäre ein Rückfall in eben jene Barbarei, wie sie Breivik mit seinen Taten praktiziert hat.

  • Dass der Täter irregeleitet ist steht außer Frage. Und wenn jetzt jemand glaubt, das sei eine Ausnahmeerscheinung dann hat er die Zeichen er Zeit noch nicht richtig erkannt. Es gibt sicherlich eine ganze Anzahl an Menschen, die unter dem Einfluß irgendwelcher Ideologien irregleitet Vorstellungen über solche Taten in ihren Hirnen mit sich rumtragen. Deshalb ist es wichtig, das immer mit zu bedenken.

    Für mich ist nicht nur ein solcher Täter schuldig im Sinne seiner Tat, sondern unsere ganze Medienlandschaft und die Instrumente der Medien, die bestialisches Gedankengut durch kranke PC-Spiele, Internet-Pornografie, dämonisierende Inhalte von Websites in die Hirnwindungen der Menschen einbringen und davon monitär teilweise kräftig profitieren ebenso Täter imübergeordneten Sinne. Solange dieser Sumpf nicht ausgetrocknet werden kann, wird jede abschreckende Strafmaßnahme nur wie ein Tropfen Wasser auf heißem Stein verzischen. Der Täter ist ja so nicht auf die Welt gekommen - das auch bösartige System, in dem wir leben, hat einen fruchtbaren Boden für seine bösartigen Ideologien gefunden.

    Die Todesstrafe ist genauso bestialisch wie die Tat, die dieser begangen hat. Jeder, der meint, dass ein solcher Mensch jemals wieder ein lebenswertes Leben führen kann irrrt sich gewaltig - denn diese Schuld begleitet den Täter bis zu seinem Lebensende, er kann sie nicht mehr abschütteln. Neulich kam ein sehr anschaulicher Film on TV, mit dem Titel "Boy A", der diese Tatsache sehr realistisch geschildert hat.

    Die Angehörigen der Opfer, die Angehörigen des Täters, alle Beteiligten sind bedauernswert nach einer so schlimmen Tat. Für den Täter wird niemals mehr etwas wieder gut - egal wie und wo er lebt. Das ist seine ihm jetzt schon zugefallene Strafe - denn das Antlitz des Täters ist weltweit bekannt.

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