Eklat wird zu Youtube-Hit Leg' dich nicht mit Rima an!

„Schluss! Wir sprechen nicht weiter.“ Ein Islamist wird während eines TV-Interviews ausfallend und beleidigt die libanesische Moderatorin. Die Jounalistin wirft den Gelehrten aus der Sendung und erntete weltweit Beifall.
9 Kommentare
Rima Karaki

Der Libanon ist im arabischen Raum allgemein bekannt für eine liberale Gesellschaft. Wie in keinem anderen Staat leben Sunniten, Shiiten, Christen, Drusen und Alawiten – aber auch ethnische Gruppierungen wie Aramäer, Armenier, Assyrer Tür an Tür miteinander. Aber auch der Libanon ist gebunden an die konfessionellen Spannungen in der Region. War er doch auch immer eine Art Spiegel der syrischen Gesellschaft und ist eng gekoppelt an die Entwicklung im Bürgerkriegsland.

Dennoch ist der Libanon eine legitime Demokratie mit entsprechender Dynamik. Presse- und Meinungsfreiheit werden hier ebenso groß geschrieben wie die Rechte der Frau. In diesem Zusammenhang hat ein Youtube-Video nun für Furore und für internationalen Beifall gesorgt. Eine Live-Schalte des Senders Al Jadeed führte zum Eklat.

Nachrichtensprecherin Rima Karaki lud den in London lebenden Koran-Gelehrten Hani al-Sebai zum Gespräch. Thema: Die vermeintliche Zuwendung libanesischer Christen an den Islamischen Staat (IS). Doch das Gespräch nahm einen anderen Verlauf und entlud sich in einem wilden Wortgefecht, das in dem Rauswurf des Geistlichen aus der laufenden Sendung gipfelte.

„Halt den den Mund, sodass ich reden kann!“

Das Gespräch beginnt zunächst harmlos. Wie in arabischen Nachrichtensendungen üblich, argumentiert der Gelehrte auf Hocharabisch. Al-Sebai verliert sich dann in langen Ausschweifungen über linksradikale Bewegungen der 1970er Jahre, die offenbar einen inhaltlichen Zusammenhang missen lassen. Höflich bittet ihn die Journalistin sich auf aktuelle Zusammenhänge zu beziehen: „Bleiben wir bitte im hier und jetzt. Welche Mittel werden eingesetzt, um sie (Christen) für solchen Gruppe zu begeistern (IS)?“

Der Gefragte antwortet ihr sehr schroff, dass ihn die Journalistin nicht zu unterbrechen habe. Er erhebt dabei deutlich die Stimme und versucht die junge Frau offenbar einzuschüchtern. Diese antwortet ihm zunächst ruhig und respektvoll und lässt ihn sogar weiter in seiner Logik argumentieren. Doch als sich dieser nicht beruhigt wird es der Moderatorin zu bunt. Mit erhobenem Haupt und stolzem Gesichtsausdruck mach sie ihm klar, wer in ihrer Sendung Wortführer sei und dass er sich bitte auf die eigentliche Thematik konzentrieren solle.

Dann kommt es zum Eklat: „Halt den Mund, sodass ich reden kann!“, schreit al-Sebai die Journalistin an. Nun reicht es der Libanesin und sie wechselt in ihren Dialekt. Sprachlich zeigt dies, dass sie sich nun der förmliche Rede entzieht „Wie kannst du mir sagen, dass ich meinen Mund zu halten habe? Schluss! Wir sprechen nicht weiter“, schließt sie mit einer abwehrenden Handbewegung und beendet das Gespräch abrupt.

In sozialen Netzwerken gilt Karaki schon jetzt als Heldin. Das Urteil der Netzgemeinde ist eindeutig: Viele feiern den Mut der Journalistin, mitunter auch aufgrund der Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag am Sonntag. Bislang ist der Clip über zwei Millionen Mal geklickt worden und erntete weltweiten Beifall.

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9 Kommentare zu "Eklat wird zu Youtube-Hit: Leg' dich nicht mit Rima an!"

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  • Dieser Bericht zeigt uns allen wie man mit verstockten umzugehen hat. Wer sich nicht an die Spielregeln hält muss entweder sehr mächtig sein, einen abhängigen Lakaien als Fragesteller haben oder aber er wird mundtod gemacht. Ich wünschte mir ein entsprechendes Vorgehen in dt. Programmen ebenfalls. Wer nicht zügig und höflich und Frageorientiert antwortet fliegt aus der Runde raus.

  • Dieser Bericht zeigt uns allen wie man mit verstockten umzugehen hat. Wer sich nicht an die Spielregeln hält muss entweder sehr mächtig sein, einen abhängigen Lakaien als Fragesteller haben oder aber er wird mundtod gemacht. Ich wünschte mir ein entsprechendes Vorgehen in dt. Programmen ebenfalls. Wer nicht zügig und höflich und Frageorientiert antwortet fliegt aus der Runde raus.

  • "ist dieser bericht fűr deutschland wichtig?"

    ja.

  • ...interessantes "Akademiker(selbst?)verständnis" aus prekär wirkenden Einschätzungen...

  • Auch wenn es etwas das Thema verfehlt, bei ihrem Kommentar musste ich schmunzeln.
    "Sicher kann man Aberglaube "studieren" aber dadurch wird es nicht wissenschaftlicher."
    Diese Aussage unterschreibe ich zu 100%. Kann man einfach so stehen lassen!

  • ist dieser bericht fűr deutschland wichtig? im űbrigen unterbricht frau illner in jeder sendung jeden ihrer gäste zu jeder zeit.

  • "... Terror die Stirn, vermutlich unter Einsatz ihres Lebens, (...)"
    Naja, vermutlich (hoffentlich!!) nicht gleich unter Einsatz ihres Lebens, aber trauen muss sie sich allemal mehr als wir Frauen hier im Westen.
    Last, not least: Sie ist der beste Beweis dafür, dass die allermeisten Menschen (auch die im islamischen Kulturraum!!) NICHT gewillt sind, sich von irgendwelchen anmaßenden "Autoritäten" vorschreiben zu lassen, wie sie zu leben haben.
    Und erst recht nicht, was sie zu denken haben! Das können die schließlich selber, und zwar genausogut wie jeder andere!

  • Diese Frau bietet dem Terror die Stirn, vermutlich unter Einsatz ihres Lebens, denn wir alle wissen, was es bedeutet, wenn man - vorallem auch aus Frau - sich gegen den Wahnsinn einer vermeintlichen religiösen Ideologie stellt!
    Wissen wir Frauen hier in Europa was es bedeutet als Frau in den von Islamisten bedrohten Gebieten zu leben?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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