„El Chapo“: Mexiko liefert Guzmán an die USA aus

„El Chapo“
Mexiko liefert Guzmán an die USA aus

Kurz vor dem Regierungswechsel wurde der frühere Kartellchef „El Chapo“ US-Behörden überstellt. Beobachter werten die Auslieferung als Zeichen des guten Willens. Doch Mexiko fürchtet, dass der Drogenhändler auspackt.
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Mexiko-StadtDer neue US-Präsident Donald Trump hat Mexikaner als Drogenhändler beschimpft – jetzt serviert ihm das geschmähte Nachbarland zum Amtsantritt den wohl größten seiner Zunft auf dem Silbertablett. Joaquín Guzmán Loera – genannt „El Chapo“, der Kurze – war einst der mächtigste Drogenboss der Welt. Sein Sinaloa-Kartell überschwemmte die USA mit Drogen und sorgte in Mexiko für Angst und Schrecken. Nun hat Mexiko ihn an die USA ausgeliefert.

Mexikanische Sicherheitskräfte hatten „El Chapo“ zunächst von einem Hochsicherheitsgefängnis zum Flughafen von Ciudad Juárez an der Grenze zu den Vereinigten Staaten gebracht. Dort nahmen ihn Beamte der US-Antidrogenbehörde in Empfang. Schwer bewaffnete Soldaten sicherten die Überstellung. Auf einen Foto war „El Chapo“ in khakifarbener Kleidung zu sehen, wie er von Militärs über das Flugfeld geführt wurde. Es wird erwartet, dass der Chef des Sinaloa-Kartells noch am Freitag vor einem Gericht in Brooklyn erscheinen muss.

„Die Auslieferung von Joaquín Guzmán Loera seitens der mexikanischen Regierung an die USA ist ein Beweis für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen“, schrieb der Chef der mexikanischen Regierungspartei PRI, Enrique Ochoa Reza, auf Twitter.

Auch der Analyst Leo Zuckermann wertet die Überstellung des Kartellbosses an die US-Behörden als Zeichen des guten Willens. „Die Botschaft ist: Mit Kooperation zwischen euch und uns können wir gute Resultate erzielen“, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders Foro TV.

Der Kolumnist Salvador García kritisierte die Auslieferung in der Zeitung „El Universal“ als Geste der Unterwerfung. Die Überstellung von „El Chapo“ sei eine Opfergabe, mit der Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto versuche, Trump gnädig zu stimmen, schrieb García. Das habe aber schon damals bei Montezuma und den Spaniern nicht funktioniert.

Die mexikanischen Behörden wiesen diese Interpretation freilich zurück. „Es gibt keine besondere Motivation für die Entscheidung zu einer Auslieferung von „El Chapo““, sagte Alberto Elías Beltrán von der Generalstaatsanwaltschaft. Die Auslieferung sei das Ergebnis eines normalen juristischen Verfahrens.

Nach Auffassung der mexikanischen Behörden kann Guzmán nicht zum Tode verurteilt werden. „In allen Auslieferungsgesuchen hat die US-Regierung garantiert, dass er nicht hingerichtet wird“, sagte der für internationale Angelegenheiten zuständige Staatsanwaltschaft Alberto Elías Beltrán am Freitag im Fernsehsender Foro TV. Auch im bilateralen Auslieferungsvertrag zwischen Mexiko und den USA ist die Todesstrafe explizit ausgeschlossen.

Gegen den früheren Chef des Sinaloa-Kartells liegen sechs Anklagen in verschiedenen US-Bundesstaaten vor. Unter anderem werden ihm in Texas Mord, Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche zur Last gelegt. Da in Texas bei Mord die Todesstrafe verhängt werden kann, mussten die US-Behörden Mexiko garantieren, dass Guzmán nach seiner Auslieferung und einem Schuldspruch nicht hingerichtet wird. Angesichts der schweren Vorwürfe droht ihm allerdings eine sehr lange Haftstrafe.

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