Elbe-Hochwasser
Die Angst vor der Katastrophe

Letzte Schutzmaßnahmen und banges Warten: Einen Tag vor dem voraussichtlichen Höhepunkt des Hochwassers ist die Elbe in Sachsen und Tschechien weiter gestiegen. Rekordpegel sind zwar zu erwarten, doch es droht eine andere Gefahr.

HB DRESDEN. Laut Hochwasserzentrale wird der Scheitel am Dienstag in Sachsen etwa 7,60 bis 7,70 Meter hoch sein, 5,7 Meter mehr als normal. Bislang war von 7,85 Meter ausgegangen worden. Auch in Sachsen-Anhalt wurde am Montag für mehrere Landkreise die höchste Alarmstufe vier ausgerufen. Hier wird der Höchststand erst am Freitag erwartet.

Mehr als tausend Helfer bemühen sich in den betroffenen Gebieten, vor allem Deiche zu sichern oder zu erhöhen. Sorgen bereitet den Behörden, dass das Wasser vermutlich nach Erreichen der Höchststände nur sehr langsam wieder sinken wird und die Deiche zunächst stark belastet bleiben.

In Tschechien wurde für einige Regionen der Notstand ausgerufen. Das Hochwasser kostete dort bislang sieben Menschen das Leben. Auch in Österreich und Ungarn verschlimmerte sich die Lage in den Flutgebieten.

Feuerwehrmänner und Helfer füllten auch entlang der Elbe unermüdlich Sandsäcke auf, Polizisten brachten Anwohner in Sicherheit und sperrten Uferstraßen. In Sachsen mussten bislang mehrere hundert Menschen ihre Häuser verlassen. Für mehrere Orte galt Katastrophenalarm. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums sind mehr als 4300 Menschen unmittelbar vom Hochwasser betroffen. Die 120 Dämme entlang der Elbe halten nach Angaben des Umweltministeriums dem Wasser noch Stand.

Am Montagmittag wurden am Pegel Schöna 8,81 Meter gemessen, Dresden registrierte am Mittag 7,42 Meter. Die Rekordwerte der Jahrhunderflut von 2002 werden aber voraussichtlich nicht erreicht. Im August 2002 stand die Elbe in Dresden rund 2 Meter höher bei 9,40 Meter. In Barby südlich von Magdeburg in Sachsen-Anhalt lag der Pegel am Nachmittag bei 6,43 Metern, 4,23 Meter über normal.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte davor, das Hochwasser mit der Jahrhundertflut 2002 gleichzusetzen. „Wir dürfen Sachsen jetzt nicht als Katastrophenland darstellen. Das ist der Situation nicht angemessen“, sagte der Regierungschef am Montag in Meißen. Bei der großen Flut vor vier Jahren waren 21 Menschen ums Leben gekommen, die materiellen Schäden betrugen sechs Milliarden Euro. Milbradt: „Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.“

Wegen des Hochwassers wollen Katastrophenschutz-Experten am Dienstagvormittag bei Gohlis in Sachsen an zwei Stellen eine Straße durchbrechen. Sie wirkt als Damm und staut das Hochwasser zur falschen Seite an. Hinter der Straße liegende Felder sollen als Überflutungsgebiet genutzt werden, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzstabes.

In Niederösterreich brach am frühen Montagmorgen ein Damm an der March und überflutete den Ort Dürnkrut. Rund 250 Häuser wurden evakuiert. Wer nicht bei Verwandten unterkommen konnte, wurden in Schulen untergebracht. Der Dammbruch legte die internationale Bahnverbindung nach Tschechien lahm.

In Ungarn, wo Donau und Theiß sowie deren Nebenflüsse Hochwasser führen, bauten über 10 000 Katastrophenschützer und Freiwillige Dämme aus Sandsäcken und halfen bei der Versorgung der vom Wasser umschlossenen Siedlungen. 458 Menschen aus 52 Ortschaften wurden in Sicherheit gebracht, berichtete die Nachrichtenagentur MTI. Für den hart getroffenen Norden erklärte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany am Montag den Notstand. Mit dem Höchststand wird in der Hauptstadt Budapest und im Norden an diesem Dienstag gerechnet.

In Polen waren die Behörden besorgt über den Wasserstand der Weichsel im nordpolnischen Thorn (Torun). Dort wurde Hochwasseralarm für das Stadtgebiet ausgelöst, berichtete der polnische Rundfunk. In Bayern beruhigte sich die Hochwasserlage. Nur in Franken wurde vereinzelt die Hochwassermeldestufe drei erreicht, berichtete das Landesamt für Umweltschutz. An der Donau gingen die Wasserstände weiter zurück.

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