Elektrischen Leitungen in dem Altbau waren „unsachgemäß verlegt“
Tausende nehmen Abschied von Opfern in Ludwigshafen

Mehrere tausend Menschen haben in Ludwigshafen Abschied von den türkischen Opfern der Brandkatastrophe vor einer Woche genommen. Zur Trauerfeier auf dem Platz vor dem ausgebrannten Wohnhaus versammelten sich am Sonntag Türken und Deutsche.

rtr LUDWIGSHAFEN. Vor großen Gebinden und Kränzen aus roten und weißen Blumen waren die Särge der Opfer aufgebahrt. Sie waren mit der türkischen Flagge und Blumen bedeckt. Unter den neun Toten sind fünf Kinder. Rund 60 Menschen waren bei dem Brand verletzt worden, der möglicherweise auf einen technischen Defekt zurückgeht.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, übermittelte den Hinterbliebenen das Beileid der Regierung. „Unsere Gedanken sind bei Ihnen.“ Sie dankte Polizei, Feuerwehr, Ärzten und Sanitätern für ihren Einsatz. Vor allem den Ludwigshafenern wolle sie für ihre große Anteilnahme ihren Dank aussprechen. Von Ludwigshafen solle eine Botschaft ausgehen, sagte Böhmer: „Die Botschaft des Brückenbaus, des gegenseitigen Vertrauens und der Verbundenheit.“

Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch sagte: „Fremdenfeindlichkeit hat in diesem Land keinen Raum. Trauer und Mitgefühl haben das ganze Land ergriffen.“ Mehrere türkische Redner äußerten auf der interreligiösen Trauerfeier die Hoffnung, es werde sich bald klären, ob es sich bei dem Brand um einen Unfall handele. Die Ermittlungen könnten die Toten nicht zurückgeben, sie könnten aber die Gemüter besänftigen, sagte ein Redner. Unmittelbar nach dem Brand vor einer Woche waren Vermutungen laut geworden, es könne sich um einen Anschlag aus Ausländerhass gehandelt haben. Vor allem türkische Medien hatten diese Spekulationen verbreitet.

Mittlerweile verdichteten sich aber Hinweise, der Brand könnte durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein. Zweifel über einen Brandstifter im Flur des Hauses mehrten sich. Die Polizei kündigte an, die Staatsanwaltschaft wolle Anfang der Woche neue Erkenntnisse bekannt geben.

Die Polizei vermute inzwischen den Brandherd im Keller des von Deutsch-Türken bewohnten Gebäudes, berichtete das Magazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf Brandermittler. Sie stützten sich auf Angaben eines älteren Bewohners, der von seinen beiden Enkeltöchtern auf Brandgeruch aufmerksam gemacht worden und im Erdgeschoss auf eine brennende Kellertür gestoßen sei. Eine Angehörige der Opfer und ein früherer Mieter berichteten von einer seit Jahren maroden Haus-Elektrik.

Die Aussagen des Großvaters nähren dem „Spiegel“ zufolge erhebliche Zweifel an der bisherigen Darstellung der beiden Mädchen, sie hätten einen unbekannten Mann im Hausflur dabei beobachtet, wie er einen Kinderwagen angezündet habe. Der Großvater habe angegeben, seine Enkelinnen hätten ihm davon nichts erzählt, als sie ihn wegen des Brandgeruchs alarmiert hätten. Nach Erkenntnissen der Polizei habe der ältere Mann den einzigen Schlüssel zum Untergeschoss gehabt und den Keller gewöhnlich verschlossen gehalten. Dort hätten weder Spürhunde noch Messgeräte Spuren eines Brandbeschleunigers entdeckt.

Die Mädchen hätten nur vage Angaben gemacht und sich bei der Beschreibung des angeblich beobachteten Mannes widersprochen, berichtete der „Focus“ unter Bezug auf ein Vernehmungsprotokoll. Dagegen geriet der Zustand der Elektrik im Haus ins Visier der Ermittler: Die elektrischen Leitungen in dem Altbau seien „unsachgemäß verlegt worden“, hieß es unter Berufung auf einen Brandfachmann. Der Polizei liege außerdem eine Zeugenaussage vor, dass im Keller illegal Strom abgezapft worden sei.

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