Elf Trittbrettfahrer gefasst
Aufregung um neue Amok-Drohungen

Fast eine Woche nach der Warnung vor einer Bluttat an einer baden-württembergischen Schule halten Trittbrettfahrer Polizei, Schulen und Eltern in Atem. Nach der telefonischen Ankündigung einer solchen Tat wurde am Montag in Görlitz sogar eine Schule geschlossen. Die Polizei geht mit aller Härte vor und kann bereits erste Erfolge vermelden.

HB HAMBURG/DRESDEN. Nach der Ankündigung eines Amoklaufs in einem Ostsee-Gymnasium war die Polizei am Montagmorgen in vier Schulen dieses Namens im Einsatz. Es handelte sich um Schulen in Sassnitz auf Rügen, in Rostock, Greifswald sowie im schleswig-holsteinischen Timmendorf, wie ein Polizeisprecher in Schwerin sagte. Waffen wurden nicht gefunden. Die Polizei zog nach Unterrichtsbeginn wieder ab. Im sächsischen Görlitz wurde ein Gymnasium vorsorglich geschlossen, nachdem ein Unbekannter einen Amoklauf für Montag angekündigt hatte. Die Ermittler im Schweriner Fall gehen davon aus, dass es sich um einen so genannten Trittbrettfahrer handelte. Am Dienstag soll an der Schule voraussichtlich wieder unterrichtet werden.

Nach der Warnung vor einem Amoklauf in Baden-Württemberg am 6. Dezember hatte es bundesweit eine Reihe ähnlicher Drohungen gegeben. Allein in Baden-Württemberg fasste die Polizei seitdem elf Trittbrettfahrer. Zwei Nachahmer wurden bereits zu Jugendarrest verurteilt. „Das ist das einzige richtige Signal an die Adresse dieser Täter, die in einer schwierigen Situation Angst und Schrecken verbreiten“, sagte Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) am Montag in Stuttgart. Nach drei weiteren Trittbrettfahrern fahndete die Polizei zunächst noch. Auch die Suche nach dem Unbekannten, der für den Nikolaustag in einem Killerspiel im Internet ein Blutbad an einer Schule angekündigt hatte, ging weiter. Gleichzeitig hielt die Polizei den verstärkten Streifendienst in der Nähe von Schulen aufrecht.

Die Angst vor einem Amoklauf an einer Schule sitzt tief: Erst vor knapp drei Wochen hatte ein 18-Jähriger an seiner Ex-Schule im westfälischen Emsdetten ein Blutbad angerichtet. 37 Menschen wurden dabei verletzt, der Täter tötete sich selbst.

Die Polizei hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, mit hohem Fahndungsdruck gegen Trittbrettfahrer vorzugehen. Wer einem Menschen mit einem Verbrechen drohe oder eine Straftat vortäusche, mache sich strafbar. Es drohten Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren. Zudem müssten Täter die Kosten für die Polizeieinsätze bezahlen.

Auch die absichtlich falsche Warnung vor einem Amoklauf an einer Frankfurter Realschule wird für die jungen Verursacher voraussichtlich sehr teuer. Vier Schüler der Anne-Frank-Realschule müssten sich auf Forderungen von mehreren zehntausend Euro für den Polizeieinsatz einstellen, erklärte ein Frankfurter Polizeisprecher am Montag. Die drei Jungen und ein Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren werden beschuldigt, sie hätten mit erfundenen Hinweisen auf einen angeblichen Amoklauf an ihrer Schule den öffentlichen Frieden gestört. Die Schule mit 530 Kindern und Jugendlichen war am vergangenen Donnerstag geräumt worden. Auch die Kasseler Polizei will in einem ähnlichen Fall die Kosten an einen 18-Jährigen weitergeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%