Emden: Mordfall Lena wird zum Polizei-Skandal

Emden
Mordfall Lena wird zum Polizei-Skandal

Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen schwere Fehler begangen, und zwar bereits vor dem Mord. Nach neuen Erkenntnissen hatte der Geständige sich bereits im November selbst angezeigt - wegen pädophiler Neigungen.
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Osnabrück / EmdenBittere Erkenntnis im Mordfall Lena: Die Polizei hat schwere Fehler im Vorfeld der Tat zugegeben. Sie hatte gegen den späteren mutmaßlichen Täter offensichtlich nicht konsequent genug ermittelt. Der 18-jährige Tatverdächtige sei bereits im November auf dem Polizeirevier Emden erschienen, um sich wegen seiner pädophilen Neigungen selbst anzuzeigen, sagte der Vizepräsident der Polizeidirektion Osnabrück, Friedo de Vries, auf einer Pressekonferenz. Dabei habe er angegeben, Fotos von einem unbekleideten Kind gemacht zu haben. Weil der Fall damals nicht weiterverfolgt worden ist, nahm die Polizeidirektion nun interne Ermittlungen wegen polizeilichen Fehlverhaltens auf.

Die Polizei Emden gab den Fall den Angaben zufolge an die damals zuständige Polizeiinspektion Aurich/Wittmund weiter, die beim Amtsgericht Hannover im Dezember einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des 18-Jährigen erwirkte. Dieser Beschluss sei von der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund aber bis zur Festnahme des jungen Mannes am Sonntag nicht umgesetzt worden.

Der Verdächtige wollte mit der Selbstanzeige nach eigenen Angaben „einen Schlusspunkt“ setzen, fügte de Vries hinzu. Die Verzögerungen bei den Ermittlungen seien „nicht nachvollziehbar“. Er sei betroffen und verlange Aufklärung, sagte der Polizeivizepräsident.

Die Ermittlungen im Fall Lena konzentrieren sich unterdessen auf die Suche nach der Tatwaffe und weiteren Gegenständen, die im Zusammenhang mit der Tötung stehen. Dazu werden am Mittwoch Polizeitaucher eingesetzt. Sie sollen die Gewässer an den städtischen Wallanlagen untersuchen, die in unmittelbarer Nähe zum Tatort liegen.

Zudem gaben die Ermittler bekannt, dass der inhaftierte 18-Jährige neben der Tötung Lenas und einer versuchten Vergewaltigung im November auch verdächtigt werde, drei Einbruchdiebstähle in der Gemeinde Krummhörn nahe Emden begangenen zu haben. In einem Fall habe der Abgleich seines Genmaterials mit Tatortspuren übereingestimmt, hieß es am Dienstag. Damit konfrontiert habe der junge Mann die Einbrüche eingeräumt.

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  • Hier drängt sich ein ungeheuerlicher Verdacht auf. Öffentlich bekannt wurde, dass bereits vor einem Jahr die Neigungen des heute Tatverdächtigen Anlass gaben, staatsanwaltliche Ermittlungen einzuleiten, doch die Polizei handelte daraufhin nicht. Dann zeigte sich der heute Tätverdächtige selbst bei der Emdener Polizei an, so dass dort die Alarmglocken hätten leuten müssen. Stattdessen? Als nun die Tat passiert ist und bei der Polizei bekannt wurde, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dort die bisherigen Versäumnisse bezüglich des bekannten heute dringend Tatverdächtigen auf den Tisch gekommen. Und nun galt es die Vergangenheit, die man tatenlos ? oder vielleicht sogar bewusst abwartend hat verstreichen lassen, zu vertuschen. Die Festnahme des falschen Verdächtigen muss in diesem Zusammenhang gezielt betrachtet werden. Haben hier Polizeibeamte ihr eigenes Spiel gespielt oder spielen wollen? Und wenn ja, zu welchem Zweck? Wollte man Erfolge provozieren und hatte mit einem Tötungsdelikt nicht gerechnet oder auch das sogar billigend in Kauf genommen? Hier ist sehr viel Sprengstoff in diesem scheinbar aufgeklärten Fall.

  • Wann wird unsere Polizei endlich abgestaubt? Immer wieder Pannen, Skandale und Schlappen. Aber dann rumjammern, wenn es am Wochenende bei Fussballspielen oder bei Demos mal was auf die Socken gibt. Wo bitte soll denn die Autorität und der Respekt herkommen? Die werden doch nur noch als Witzfiguren wahrgenommen...

  • Es ist nicht zu glauben. Da kommt einer aufs Revier, zeigt sich selber an, weil er Angst hat ein Sexualdelikt zu begehen und was passiert? Nichts. Der Typ hat gewusst wie es endet und wollte sich und andere schützen. Erst als ein 11-jähriges Mädchen tot ist, reagiert die Polizei. Die zuständigen Beamten sollte man gleich mit einsperren, die sind für den Tod des Mädchens mit verantwortlich!

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