Emissionsjahr 2005
Unternehmen zieht es wieder an die Börse

Der Gang an die Börse ist für Unternehmen - nach jahrelanger Durststrecke - wieder eine ernsthafte Option zur Aufnahme von neuem Kapital geworden. So lautet das Fazit von Investmentbankern und Fondsmanagern zum Emissionsjahr 2005.
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HB FRANKFURT. Im kommenden Jahr dürfte die Zahl der Börsenneulinge auf über 20 steigen. Allerdings ist das Klima für Aktienemissionen nach einigen enttäuschenden Erstnotizen seit Herbst rauer geworden. "Im Großen und Ganzen sind die Börsengänge 2005 ganz gut gelaufen", resümiert Fondsmanager Michael Muders von Union Investment. "Wenn der Preis und das Geschäftsmodell stimmen, dann werden die Börsenkandidaten auch angenommen." Auch für Fondsmanager Karl Fickel von Lupus Alpha hat sich das Stimmungsbild aufgehellt: "Der Aktienmarkt ist wieder für viele Firmen eine ernst zu nehmende Möglichkeit zur Refinanzierung."

Nach Aussage von Andreas Bernstorff, der für Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) das Geschäft mit Börsengängen in Deutschland mitverantwortet, zeigen sich die Investoren gegenüber Börsenkandidaten wieder merklich aufgeschlossener als noch vor einem Jahr. DrKW-Kollege Jörg-Alexander Seidel verweist auf das gestiegene Interesse der Privatanleger. Für 2006 erwarten die DrKW-Experten bis zu 25 Börsengänge, wovon sechs bis sieben ein Emissionsvolumen von mehr als 500 Mill. Euro haben dürften.

Bernstorff erhofft sich von der Fußball-Weltmeisterschaft Rückenwind für einige Erstemissionen. "Wegen der Fußball-WM steht Deutschland bei internationalen Investoren besonders im Fokus", sagte der Investmentbanker. Fondsmanager Fickel rechnet damit, dass viele Beteiligungsgesellschaften 2006 Investments an die Börse bringen wollen.

Waren 2005 Unternehmen aus dem Bereich Solarenergie gefragt, dürften im kommenden Jahr den Experten zufolge vor allem Firmen aus den Sektoren Internet und Immobilien den Sprung aufs Börsenparkett wagen. Aus der Chemiebranche steht ebenfalls eine Reihe von Gesellschaften ganz oben auf der Kandidatenliste. Neben Wacker Chemie, deren Erstnotiz bereits im Frühjahr erfolgen könnte, wird auch Cognis immer wieder als Kandidat gehandelt. Auch die Chemiesparte von Altana soll an die Börse gebracht werden. Der Halbleiterhersteller Infineon will sein Speicherchipgeschäft separat am Kapitalmarkt notieren lassen, möglicherweise in Asien. Dem Versicherungskonzern Talanx werden ebenso wie dem Energiedienstleister Ista Börsenpläne nachgesagt. Die Bahn und der Kohlekonzern RAG dürften wohl frühestens 2007 an die Börse gehen.

Nach Einschätzung von Achim Schäcker, der für Credit Suisse First Boston (CSFB) das Aktienemissionsgeschäft in Deutschland verantwortet, sehen deutsche Investoren das Geschäftsmodell eines Börsenkandidaten oftmals skeptischer als internationale Anleger. "Deutsche Anleger sind in der Regel sehr kritisch in der Preisdiskussion", spielte Schäcker auf den Börsengang von Praktiker an. Die Aktien der Baumarktkette hatten erst nach einer Absenkung der Preisspanne genügend Käufer gefunden.

Unterstützt von steigenden Kursen an den Aktienmärkten haben in diesem Jahr 14 Firmen den Sprung aufs Börsenparkett gewagt, nach fünf im Vorjahr. Derzeit notieren die Aktien von zehn Börsenneulingen über dem Zuteilungspreis. Gefragt waren vor allem Werte aus der Solarbranche. Die Titel von Conergy und Q-Cells legten seit ihrem Debüt um jeweils rund 40 Prozent zu. Den größten Kurssprung haben die Papiere des Internet-Baufinanzierers Interhyp mit einem Plus von mehr als 60 Prozent gemacht. Enttäuscht hat hingegen der Fondsanbieter HCI Capital mit einem Kursrückgang von rund 15 Prozent. Die Titel des Bezahlfernsehsenders Premiere, mit einem Emissionsvolumen von knapp 1,2 Mrd. Euro der größte Börsengang in Deutschland 2005, notieren nach einem vielversprechenden Start inzwischen ebenfalls rund 15 Prozent unter ihrem Ausgabepreis.

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