Empörung nach Interview
Formel-1-Chef rühmt Hitler

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat mit anerkennenden Worten für Hitler große Empörung ausgelöst. Der 78-jährige Milliardär äußerte sich abschätzig über Demokratien und würdigte die Macht Adolf Hitlers, "Dinge erledigen zu können". Jüdische Organisationen weltweit reagierten entsetzt und forderten Konsequenzen.

dne/HB LONDON. In dem Interview mit der britischen Tageszeitung "The Times" vom Samstag äußerte Ecclestone zudem Zweifel, dass Hitler seine Verbrechen tatsächlich alle begehen wollte. "Vermutlich ist es schrecklich, das zu sagen, aber abgesehen von der Tatsache, dass Hitler überzeugt wurde, Dinge zu machen, von denen ich nicht weiß, ob er sie wollte oder nicht, war er in der Lage, eine Menge Menschen zu befehligen und Dinge erledigen zu können", sagte Ecclestone. "Am Ende hat er die Orientierung verloren, also war er kein sehr guter Diktator. Entweder wusste er, was vor sich ging und bestand darauf, oder er hat sich dem einfach angeschlossen."

Der Jüdische Weltkongress (WJC) fordert daraufhin eine Woche vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring den Rücktritt des 78 Jahren alten britischen Chef-Promoters der Formel 1. WJC- Präsident Ronald Lauder erklärte am Sonntag, Ecclestone sei nicht mehr geeignet als Chef der Formel 1. Der Kongress mit Sitz in New York ist eine Dachorganisation von jüdischen Einrichtungen in aller Welt. Lauder rief die Teams, Fahrer und Gastgeber-Länder der WM-Rennen dazu auf, die Zusammenarbeit aufzuheben.

Seitens der Teams waren zunächst keine Reaktionen zu bekommen. Doch droht nun erneut das kommende WM-Rennen in den Hintergrund zu geraten, nachdem nicht einmal der monatelange Streit der mehrheitlichen Teams mit dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes Fia und Ecclestone-Landsmann, Max Mosley, ganz beigelegt ist. Er kündigte jüngst eine mögliche erneute Kandidatur an. Die in der Formula One Teams Association (Fota) vereinten Rennställe pochen darauf, dass sich der umstrittene Mosley nach dem Ende seiner Amtszeit im Oktober nicht zur Wiederwahl stellt.

Auf die Aussagen von Ecclestone reagierten Politiker und Publizisten fassungslos. "Entweder ist Herr Ecclestone ein Idiot oder er hat eine abstoßende Moral", sagte der Herausgeber der jüdischen Zeitung "Jewish Chronicle", Stephen Pollard. Der Labour - Abgeordnete und Vorsitzende eines Forschungsinstituts zum Antisemitismus, Denis MacShane, meinte: "Wenn Herr Ecclestone ernsthaft glaubt, dass Hitler dazu überredet werden musste, sechs Millionen Juden zu ermorden, jedes europäische Land zu überfallen und London zu bombardieren, dann hat er entweder von Geschichte keine Ahnung oder überhaupt kein Urteilsvermögen."

Ecclestone ging auch mit der Arbeit demokratischer Politiker scharf ins Gericht. Demokratie habe für viele Länder nicht viel Gutes gebracht, das gelte auch für Großbritannien. "Politiker machen sich zu viele Sorgen über Wahlen", sagte er. "Wir haben etwas Schreckliches gemacht, als wir die Idee unterstützten, Saddam Hussein loszuwerden. Er war der Einzige, der dieses Land kontrollieren konnte", sagte der Brite mit Blick auf den Irak.

"Ich ziehe starke Führer vor. Margaret Thatcher traf Entscheidungen und zog den Job durch. Sie hat das Land langsam hochgebracht. Wir haben zugelassen, dass es wieder bergab geht. All diese Kerle, Gordon und Tony, versuchen jedem zu gefallen", sagte er mit Blick auf den britischen Premierminister Gordon Brown und dessen Vorgänger Tony Blair.

Als starken Führer sieht Ecclestone seinen jahrzehntelangen Formel-1-Weggefährten Mosley. Dieser gäbe aus Sicht von Ecclestone auch einen guten britischen Premier ab. "Max würde einen tollen Job machen. Er kann Menschen gut führen." Mosleys Vater Oswald hatte in den 30er Jahren die rechtsextreme British Union of Fascists (BUF) gegründet.

Schon früher stieß Ecclestone mit bisweilen eigenwilligen Ansichten auf Kritik. "Demokratie und Formel 1 passen nicht zueinander - die Formel 1 bin ich", wurde der Chef-Promoter einst von den "Stuttgarter Nachrichten" zitiert. Ecclestone regiert mit Mosley seit Jahrzehnten die Formel 1. Bereits 1971 gründete der Brite die Formula One Constructors Association. Ende 2005 übernahm die Investmentgruppe CVC dann als neuer Haupteigentürmer die "Königsklasse" und installierte den ehemaligen Gebrauchtwagenhändler Ecclestone als Geschäftsführer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%