Emsdetten
Ein Amoklauf wie am Bildschirm

Dass beim Amoklauf von Emsdetten bis auf den Täter niemand starb, ist wohl vor allem dem glücklichen Zufall zu verdanken: Die Polizei fand inzwischen heraus, dass der 18-Jährige gezielt auf Menschen an seiner Ex-Schule feuerte. Zudem wurden weitaus mehr Menschen bekannt als unmittelbar nach der Tat angegeben.

HB MÜNSTER. Mindestens drei Mal schoss der Täter wahllos in Gruppen von Schülern, wie Staatsanwaltschaft und Polizei Münster am Dienstag mitteilten. Zuvor hatte er auf dem Schulhof anscheinend wahllos auf Schüler, eine Lehrerin sowie den Hausmeister geschossen. Der 18- Jährige hatte am Montag seine frühere Realschule überfallen und sich später mit einem Schuss in den Mund selbst getötet.

Nach Angaben der Behörden wurden bei dem Amoklauf insgesamt 37 Menschen verletzt. Fünf von ihnen erlitten Schussverletzungen. Eine Lehrerin wurde durch eine Rauchbombe im Gesicht verletzt. Zahlreiche Schüler litten nach den traumatischen Ereignissen unter einem Schock, der im Krankenhaus behandelt werden musste. 16 Polizeibeamte zogen sich im Einsatz Rauchvergiftungen zu. Der Täter hatte in der Schule Rauchbomben gezündet. Die meisten Verletzten konnten allerdings ambulant behandelt werden. Am Dienstagnachmittag befanden sich laut Polizei noch sieben Personen im Krankenhaus. Lebensgefahr bestand für keines der Opfer.

Der Täter führte nach Angaben der Ermittler zwei Vorderladerwaffen sowie eine Kleinkaliberwaffe samt der dazu gehörenden Munition mit sich. Am Körper hatte er drei selbst gebaute Rohrbomben befestigt. In einem Rucksack befanden sich fünf weitere Rohrbomben. In seinem nahe der Schule geparkten Auto wurden vier weitere Rohrbomben und drei Molotow-Cocktails sowie eine Machete gefunden. In seinem Zimmer im Elternhaus fanden die Ermittler Hinweise, die darauf hindeuten, dass der Täter mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengkörpern experimentiert hatte. Zudem wurden dort eine Gaspistole, eine so genannte Softair-Waffe und ein Luftgewehr sichergestellt.

Der Amoklauf des 18-Jährigen glich in seinem Ablauf den Schießorgien gewalttätiger Computerspiele. Das geht aus einer detaillierten Darstellung der Ereignisse hervor, die Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag vorlegten. Demnach fuhr der 18-jährige mit einem Wagen zum Tatort, schnallte sich dort Rohrbomben um den Körper und verstaute weitere Bomben in seiner Kleidung.

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