Ende des quälenden Wartens in Sicht
Sahara-Geiseln kurz vor der Freilassung

Ein Ende des seit fast sechs Monaten in der Sahara andauernden Geiseldramas schien am Sonntag in greifbare Nähe zu rücken. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, traf am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mit einem Luftwaffen-Airbus in der malischen Hauptstadt Bamako ein. Der Diplomat hatte die Bemühungen Berlins um die Freilassung der zuletzt 14 Geiseln koordiniert.

HB/dpa BAMAKO. „Ich wäre nicht hier, wenn wir nicht guter Hoffnung wären. Wir stellen uns auf alles ein“, sagte Chrobog nach der Landung. Er betonte jedoch: „Die Geiseln sind noch nicht frei.“ Man wisse auch noch nicht, wo sie sich genau befänden. Die Bundesregierung habe aber jetzt „alle Voraussetzungen geschaffen, um sie nach Hause zu bringen“.

Das deutsche Flugzeug landete um 16.01 Uhr Ortszeit (18.01 MESZ) auf dem internationalen Flughafen von Bamako. Obwohl die Behörden ihre Nachrichtensperre am Sonntag weiter aufrecht hielten, galt eine Befreiung der Geiseln innerhalb der nächsten Stunden als möglich. Inoffiziell wird jedoch noch immer vor der Gefahr von Rückschlägen gewarnt. Auf die Frage, ob es ein „guter Tag“ für ihn sei, antwortete Chrobog vor Journalisten: „Fragen sie mich das heute Abend oder morgen früh.“

Der Luftwaffen-Airbus war nach Augenzeugenberichten auch mit medizinischem Gerät und Personal bestückt. Chrobog hatte zuletzt am Donnerstag in Bamako mit der Regierung Malis gesprochen und sich optimistisch über eine baldiges Ende des Dramas gezeigt. Der Staatsminister lobte insbesondere die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden.

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am 22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, starb am 28. Juni an einem Hitzschlag. Mit den restlichen Geiseln war die Kidnapper-Gruppe in den malischen Teil der Wüste geflohen, wo sie seitdem in der Bergregion um Kidal im Norden des Landes lokalisiert wurde.

Nach inoffiziellen Berichten steht in der Stadt Gao im Norden Malis eine Transall-Maschine der Bundeswehr bereit, um die Geiseln nach der Freilassung in der Hauptstadt Bamako zu bringen. Im nördlichen Ort Mopti soll sich auch auch Malis Präsident Amadou Toumani Touré, der bei der Vermittlung eine wichtige Rolle gespielt hat, in Wartestellung befinden.

In den letzten Tagen soll die Gruppe der 14 Entführten weit verstreut gewesen sein. Keine Angaben machte die Bundesregierung darüber, ob für die Freilassung Lösegeld bezahlt wurde und wie viel. Die in Medienberichten einmal genannte Summe von 64 Mill. € halten Experten einhellig für weit übertrieben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%